Er könnte diese Ehrung beispielsweise seinem Urenkel erklären, wie er ihm in seinem Dialog-Buch seinerzeit so viele Dinge erklärt hat: Pass auf, mein Junge, solche Ehrungen fand ich schon immer zwiespältig. Einerseits, natürlich, kommt das ja nicht unverdient, ich war ein fröhlicher Marxist, ein linientreuer Dissident und der wichtigste Wirtschaftswissenschaftler von Weißensee, seit mir Walter Ulbricht seinerzeit diese herrliche Villa in der Parkstraße besorgt hat. Wenn ich schon gleich nach dem Krieg nicht Wirtschaftsminister werden durfte, nur weil Moskau Juden damals nicht mochte und die Genossen sich nach denen richteten, sollte ich wenigstens anständig wohnen und arbeiten können. Also nichts für ungut.

Aber ich halt es auch mit meinem alten Kumpel Bertolt Brecht, mit dem ich nicht nur Kriminalbücher getauscht habe, die wir beide gerne nach getaner Arbeit lasen, sondern dessen Gedichte ganz meiner Weltsicht entsprachen. Zum Beispiel „Die Teppichweber von Kujan-Bulak ehren Lenin“. Statt dem eine Büste hinzustellen, nehmen sie das Geld, um Petroleum zu kaufen gegen die Moskito-Plage.

Sie ehrten ihn, indem sie sich selber nützten. Fand ich nicht schlecht. Jetzt sammeln die Geld für mein Relief, das der gute alte Harald Kretzschmar ja ganz passabel hingekriegt hat, vor allem die Tränensäcke. Damit könnten die aber auch eine kleine Neuauflage meiner 40-bändigen „Lage der arbeitenden Klasse im Kapitalismus“ finanzieren, ist doch hochaktuell. Bloß mal als Beispiel.

Und so ein grüner Park mit meinem Namen trifft’s eigentlich auch nicht ganz; ich hab Grün nie gemocht. Vor dem Fenster meines Arbeitszimmers stand eine Magnolie, weißt Du, was ich gemacht habe, wenn die blühte? Gardine zu, Zigarre an! Grünzeug lenkt nur von der Arbeit ab, musst Du Dir merken. Wäre besser , wenn sie in der Landesbibliothek mit meinen vielen Büchern einen Kuczynski-Saal einrichten würden. Mit Raucherlaubnis. Naja, was soll’s, mein Junge, ich hab ja nichts mehr zu sagen.