Kürzlich gab es bei Facebook eine Diskussion darüber, ob Berlin Schrebergärten brauche oder ob diese nicht besser als Flächen für den Wohnungsbau dienen sollten. Nicht wenige plädierten für Letzteres – schließlich gebe es innerhalb des S-Bahnrings einen Mangel an bezahlbaren Wohnungen für Nicht-Begüterte. Also Gärten weg, Wohnungen dafür her.

Doch das ist zu kurz gedacht. Erfahrungen, zum Beispiel mit der Kolonie Württemberg in Wilmersdorf und den Plänen für die Pankower Anlage Famos, zeigen, dass auf dem von Investoren begehrten Gartenland keineswegs jene Wohnungen entstehen, die in Berlin am dringendsten gebraucht werden. Also solche mit Mieten, die auch Arbeitslose, Geringverdiener oder der untere Mittelstand bezahlen können. Geplant und gebaut wurde in allen bisher bekannten Fällen für den gehobenen Bedarf.

Dass Investoren auf Gartenflächen drängen, ist wohl Zweierlei geschuldet: Die Kolonien befinden sich meist in einem attraktiven grünen Umfeld. Zudem müssen sie dort vergleichsweise wenig Geld einsetzen, um Altlasten zu beseitigen – anders als bei brachliegendem Industriegelände oder einstigen Gewerbeflächen. Dabei würde dort eine Um- und Neugestaltung nottun.

Kleingartenanlagen sind Erholungsflächen für Hunderttausende Berliner. Sie werden nicht nur von den Pächtern genutzt, sondern auch von Joggern, Spaziergängern, Kita- und Schulkindern. Der Verband der Gartenfreunde will die Anlagen noch mehr öffnen, Raum für Gemeinschafts- oder Schulgärten schaffen, für Mehrgenerationengärten oder interkulturelle Gärten. Damit sind die Kolonien nicht nur gut fürs Stadtklima, sondern auch für die soziale Atmosphäre in der Stadt. Auch deshalb lohnt es sich, für ihren Erhalt zu kämpfen.