Berlin - Berlin bekommt ein weiteres Gruselkabinett. Der umstrittene Plastinator Gunther von Hagens darf seine apokalyptisch anmutenden, präparierten Leichen ab Januar in Berlin öffentlich ausstellen. Für sein „Körperwelten“-Museum benötigt er keine Genehmigung nach dem Bestattungsgesetz. Laut Verwaltungsgericht sind sie nämlich gar keine Leichen im Sinne des Gesetzes.

Das stimmt, es sind mittels Kunststoff verfremdete tote Menschen, die nun für immer und ewig in irgend einer schauerlichen Bewegung verharren und gegen Geld angestarrt werden. Künftig dann also am Fuße des Fernsehturms in Mitte. Der Platz ist auch ohne „Körperwelten“-Museum schon gruselig genug.

Der Bezirk hat versucht, das finstere Fleckchen aufzuhellen, das von Hütchenspielern und trinkfreudigen, eher nicht berufstätigen Zeitgenossen frequentiert wird. Aber so richtig ist das nicht gelungen. Hier hält man sich nur gezwungenermaßen länger auf, etwa, weil man mit Berlin-Besuchern am Fernsehturm ansteht.

Bezirk soll in Berufung gehen

Dieses Ausflugsziel könnte für Familien mit Kinder künftig eher tabu sein, falls sich Plastinator von Hagens entschließen sollte, für seine Dauerausstellung aggressiv zu werben. Aber eine kleine Hoffnung bleibt: Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falles hat das Gericht eine Berufung gegen seine Entscheidung zugelassen. Der Bezirk Mitte, der sich bisher wacker gegen die Ausstellung gewehrt hat, wird wissen, was er nun zu tun hat.