Eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit bis das Thema auch im Bereich der Politik ankam. Trotzdem ist es bemerkenswert, dass sich mit der schwedischen Außenministerin Margot Wallström ein amtierendes Regierungsmitglied der #MeToo-Kampagne anschloss.

Unter diesem Hashtag schreiben seit einigen Tagen Frauen im Internet ihre Erfahrungen mit alltäglichem und weniger alltäglichem Sexismus auf. Nun berichtete auch Marie Wallström öffentlich von einem sexuellen Übergriff. Auf Facebook schrieb sie nur „Me too“, ich auch.

Man kann daher nur vermuten, dass es wohl um jenen Fall geht, den sie einem schwedischen Journalisten schon von einigen Jahren schilderte. Sie sei bei einem Abendessen mit europäischen Regierungschefs von ihrem Sitznachbarn betatscht worden. Wer ihr die Hand auf den Schenkel gelegt hat, wollte sie nicht sagen.

Auf auf ihrer Facebook-Seite findet sich nur der Hashtag. Einige Medien berichten, sie wolle „nicht zu persönlich“ werden. Wenn das stimmt, dann ist das genau das Problem, in das die Kampagne nun mündet.

Wir sehen viele, viele Opfer. Und keinen einzigen Täter. Außer Harvey Weinstein natürlich.
Die Frauen treten ins Licht, bekennen, dass auch sie Opfer wurden, schildern die Situation, in der dies geschah. Und bewahren Stillschweigen über die Identität der Täter. Damit aber stehen die Frauen im Focus der Aufmerksamkeit. Als Opfer. Also passiert doch jetzt genau das, was sie vermeiden wollten und weswegen sie oft jahrelang schwiegen.

Die Machenschaften Weinsteins in Hollywood waren ziemlich vielen Leuten bekannt – ohne Konsequenzen. Es gab viel Geraune, Gerüchte und sogar Scherze bei der Oscar-Verleihung über sein Treiben. Doch er hätte seinen Job heute noch, wenn die Schauspielerin Rose McGowan und ihre Kolleginnen nicht seinen Namen genannt hätten.

Auch in Deutschland gibt es nun auch immer mehr Frauen, die es preisgeben: #metoo – ich auch. Das ist mutig! Doch es wird folgenlos bleiben, wenn wir nur abstrakt von Machtstrukturen und Abhängigkeiten sprechen. Sexuelle Belästigung ist ein Straftatbestand, er wird aber nur auf Antrag verfolgt. Zeigen wir die Täter an, nennen wir ihre Namen. Und dann diskutieren wir weiter über das, was sich ändern muss.