Die Schlussfolgerungen waren schnell zur Hand. In der Debatte um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, so lauteten viele Kommentare, gebe es ausschließlich Verlierer. Özil, Grindel, Bierhoff, die Integrationsbemühungen. Alle irgendwie auf der Strecke geblieben. Im Streit um die Flüchtlingspolitik der Union war es nicht anders. Merkel, Seehofer und Söder haben verloren.

Nicht nur an Zustimmung in Umfragen. Seehofer, so mutmaßen viele, wohl auch sein Gesicht. Noch ein Beispiel: der Handelsstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt. Nahezu täglich erscheinen ein Dutzende Artikel, die, wie auch immer, vorzurechnen versuchen, dass sich womöglich hinter der destruktiven Politik von Donald Trump doch so etwas wie ein rationales Kalkül finden lasse. Die Hoffnung auf Vernunft – noch so eine Phrase – stirbt zuletzt.

Man nennt es Ökonomie

Dabei gibt es in den genannten Beispielen natürlich auch Gewinner. Erdogan zum Beispiel. Ich gehe eine solide formulierte Wette ein, dass sich der Mann jeden Morgen feixend eine übersetzte Presseschau mit den neuesten Nachrichten aus Deutschland kommen lässt. (Özils Nationalmannschaftskollege Niklas Süle wurde einige Zeit lang übrigens vom türkischen Fußballverband umworben, ehe man dort erkennen musste, dass Süles Familie aus Ungarn stammt.) Der Gewinner in dem politischen Selbstzerstörungsmanöver der Union wurde übrigens in Alexander Dobrindt ausgemacht. Politische Siege werden auch immer erbärmlicher. Und im Streit um die Strafzölle? Da vergeht kein Tag, an dem nicht neu gerechnet wird. Man nennt es Ökonomie.

Philosophisch betrachtet sieht es natürlich ganz anders aus. In seinen berühmten „Pensées“ begründet Blaise Pascal im Kapitel über die Gotteswette auf luzide Weise, warum es überaus rational sei, auf Gott zu setzen. Eine klassische Win-win-Situation gewissermaßen.