Berlin - Dolle Mehrheiten gibt es in Berlin nicht, wenn es um Olympia geht. Fragt man die Hauptstädter jetzt, kurz nach der Absage der Münchner Winter-Bewerbung für 2022, ob sie sich die Spiele wünschen, so sagt zwar mehr als jeder zweite Ja. Aber die Zahl der Neinsager ist nicht viel kleiner. Und die Zustimmungsquote war vor zwei Jahren höher. Ein Gewinnerthema ist Olympia jedenfalls nicht.

Und das wird es auch nicht werden, solange sich nicht jemand aus der Stadtregierung dafür engagiert. Und etwas riskiert. Wowereits ewiges „Wir stehen bereit, wenn der deutsche Sport es will“ reicht dafür auf keinen Fall. Es geht zwar inzwischen um Olympia 2024, wenn nicht noch später. Der Senatschef von heute wird da bereits seine Rente mit 70 genießen dürfen. Doch eine mögliche Bewerbung muss bereits 2015 beim IOC im Briefkasten liegen. Und zwar nach einer deutschen Vorauswahl, die klar Berlin favorisieren müsste. Es wäre also nur noch ein Jahr Zeit, um eine nationale wie regionale Begeisterung zu entfachen, die, bitteschön, auf einem überzeugenden Konzept beruht. Ein bunter, lauter Marketing-Knallbonbon nützt niemandem.

Eigentlich ist damit jetzt schon klar: Die Zeit für eine überzeugende Berliner Bewerbung für 2024 ist viel zu knapp. Schon deshalb, weil Münchens Pleite einen Standard gesetzt hat. Die Bewerbung ist ja an Volksentscheiden gescheitert. Ohne ein solches Votum im Vorhinein wird es nicht mehr gehen – schon gar nicht in Berlin, das bekanntlich 1993 beim IOC nach einer missglückten Kampagne kläglich scheiterte. Neun Stimmen (von 89) bekam Berlin damals. Nur Istanbul hatte noch weniger, nämlich sieben. Wer von den bitter enttäuschten Werbern damals noch Humor-Reste auffinden konnte, soll sich mit dem Spruch getröstet haben: „Aber den Türken haben wir es gezeigt!“