In Ostdeutschland arbeiten die Menschen im Schnitt länger als im Westen, und sie erhalten dafür auch noch weniger Geld. Die Daten des Statistischen Bundesamts, die die Bundestagsfraktion der Linken ausgewertet hat, zeigen einen geteilten deutschen Arbeitsmarkt. Aus Sicht der Linken ist die Ungleichbehandlung weder gerechtfertigt noch hinnehmbar. Und sie haben recht, jedenfalls zum größeren Teil.

Zwar rühren die Lohnunterschiede auch daher, dass die großen gut bezahlenden Konzerne ihre Zentralen und weite Teile der Inlandsproduktion in den alten Bundesländern angesiedelt haben, während im Osten weniger solvente Klein- und Mittelständler dominieren. Insofern spielt nicht die Region, sondern die unterschiedliche Unternehmensstruktur eine maßgebliche Rolle. Außerdem ist der Euro im Osten durchschnittlich mehr wert ist als im Westen: Mieten und öffentliche Verkehrsmittel etwa sind zwischen Ostsee und Erzgebirge im Mittel günstiger.

Die Lohndifferenzen gehören abgeschafft

Ungeachtet dessen verweisen die Daten aber auf inakzeptable Zustände. In den östlichen Bundesländern ist nur noch ein Viertel der Betriebe an Branchentarifverträge gebunden, zwei Prozent an Haustarifverträge. Im Westen sind es 47 plus acht Prozent. Auch viele Tariflöhne unterscheiden noch immer nach Ost und West, im Kfz-Handwerk und der Chemieindustrie ebenso wie auf dem Bau oder in der Süßwarenherstellung. 

Solche Lohndifferenzen – und erst recht unterschiedliche Wochenarbeitszeiten – sind in den meisten Branchen überflüssig und gehören abgeschafft. Wichtiger noch ist es, die Tarifbindung zu stärken: Dazu muss sich die Bundesregierung gleichsam selbst ermächtigen, Tarifverträge leichter als bisher für allgemeinverbindlich zu erklären.