Auf der Internet-Seite der US-Embassy in Berlin prangt in der Rubrik „Botschafter“ das kühle Wort „vakant“. Befragt man die Suchfunktion nach „Richard Grenell“, den US-Präsident Donald Trump im September zum neuen Botschafter bestimmt hat, erhält man die Antwort: „Sorry, no posts matched your criteria“ – keine Treffer.

Die jüngste, auf der Botschaftsseite vermeldete öffentliche Aktivität stammt vom 21. November: Presseattaché Bill Martin informierte Journalisten in Berlin über den militärischen Beitrag der Vereinigten Staaten zur europäischen Sicherheit. Ebenfalls im November trafen sich Schüler in der Botschaft, um von ihrer USA-Reise zu berichten – Geschäftsträger Kent Logsdon, nahm teil.

Man blättert zurück: Oktober, September… Ein Podiumsgespräch, eine Lesung… Nun findet wahrlich nicht jede diplomatische Aktivität in die Öffentlichkeit, aber am Pariser Platz, dem Sitz der Botschaft des wichtigsten Partners der Bundesrepublik in der Welt, geht es sehr, sehr ruhig zu.

Der Meinungsaustausch fehlt

Seit fast einem ganzen Jahr demonstriert US-Präsident Donald Trump auf diese Weise sein Desinteresse an Deutschland und dem Regierungssitz Berlin. John B. Emerson, der letzte Botschafter, verließ die Stadt mit seiner Familie am 20. Januar, einen Tag vor Trumps Amtsantritt. Das Ehepaar Emerson war zum festen Bestandteil der Berliner Gesellschaft geworden.

Sehr beliebte, joviale Leute mit Freude am Kontakt zu ihrer Umgebung. Als Botschafter Emerson vor drei Jahren die Redaktion der Berliner Zeitung besuchte, ließ er sich von einem Volontär bohrend zum Whistleblower Edward Snowden befragen und blieb sehr, sehr freundlich. Heute spüren wir: Der Meinungsaustausch fehlt.

Die Dahlemer Residenz liegt verwaist, einmal, im September, veranstaltete Geschäftsträger Kent Logdson im Garten eine Verkostung von US-Lebensmitteln, Richard Grenell war soeben nominiert worden. Die Neugier auf den bekennenden Schwulen, einen hemdsärmeligen Mann, mit Freude an der Konfrontation enorm. Okay, dachte man sich – besser Unruhe als Langeweile oder das herrschende Garnichts. Jedenfalls schien er gut zu Berlin zu passen.

Das ist nun auch schon wieder drei Monate her. Bei der Gartenparty war spekuliert worden, Grenell werde wohl spätestens Ende Oktober loslegen. Was ist da los?