Was soll man da noch sagen? Ein Terrorverdächtiger, den die Polizei nicht hatte stellen können und für deren Hilfe bei der Festnahme sich der zuständige Innenminister bei drei Syrern nicht hatte bedanken wollen, bringt sich wenige Tage später in seiner Zelle um – offenbar unbeobachtet von den Beamten, die den Versuch eines Freitods eigentlich hatten kommen sehen müssen. Legt man die sächsische Vorgeschichte und die politische Entwicklung im Land zugrunde, dann kann es nur einen Schluss geben: Es geht in Sachsen – in der Summe – um politisch gestützten institutionellen Rassismus und um nichts anderes.

Natürlich, wir wissen nichts Genaues über den Tod von Dschaber al-Bakr – wie und warum er sich das Leben nahm und wieso ihn niemand daran hinderte. Die Untersuchungen bleiben abzuwarten. Gewiss ist aber schon jetzt, dass für diesen Tod, wie immer die Untersuchungen ausgehen, die Justizvollzugsanstalt verantwortlich ist, in der er einsaß. Sie wiederum untersteht dem sächsischen Justizministerium. Dessen Hausherr heißt Sebastian Gemkow und ist von der CDU. Zumal bei der Bedeutung des Falles ist absehbar, dass es personelle Konsequenzen geben wird, geben muss.

Erinnerungen an Tod von Oury Jalloh

Das ist aber nicht der entscheidende Punkt. Entscheidend ist, dass in Sachsen – in der Summe – eine ausländerfeindliche Stimmung herrscht, die sich in Ausschreitungen vor Flüchtlingsunterkünften und gegen liberale Politiker ebenso ausdrückt wie im Wahlverhalten der Bürger und dem gesamten intellektuellen Klima. Die führende Regierungspartei duldet und befeuert das seit Jahren durch eiskalte Doppelbödigkeit. Der Tod von Dschaber al-Bakr fügt sich in dieses Bild. Er erinnert unmittelbar an den Tod von Oury Jalloh aus Sierra Leone in einer Gefängniszelle in Dessau (Sachsen-Anhalt). Er kam vor über zehn Jahren um. Sein Tod ist noch immer nicht geklärt.

Sachsen jedenfalls braucht dringend andere (politische) Verhältnisse. Und das nicht allein um der Sachsen und der bei ihnen lebenden Fremden willen. Es scheint vielmehr so, als würde in dem Land auch eine Schlacht um das Schicksal der gesamten Republik geschlagen.