Das hat Deutschland gefehlt: ein Heimatministerium. Das Innenressort wird um den Bereich Heimat aufgewertet. Es kommt noch besser, denn der Heimatminister heißt Horst Seehofer. In seiner Heimat Bayern ist er nicht mehr gewollt, da darf er nun unser aller Heimat aufwerten – also sicherer machen, schützen und bewahren. Vielleicht sollte man ehrlicherweise gleich Heimatschutzministerium sagen, um die Absicht korrekt zu beschreiben.

Denn es geht nicht um das Gras auf der Wiese, das Korn auf dem Feld und die Vögel in der Luft, auch nicht um die bedrohte Lederhose im Biergarten, sondern um Terrorismus, Gefährder und ein scharfes Auge auf Extremisten jeder Art.

Unionsparteien wenden sich rechtem Rand zu

„Aufgemörtelt“ sei das Ministerium, freut sich die CSU, ein Super-Riesen-Ding, denn auch Städtebau, Kommunen, Behörden-Digitalisierung gehören dazu. Das alles steht künftig irgendwie im Dienst der Heimatsicherheit.

Der Zweck ist klar, und die CSU hat nie einen Hehl daraus gemacht: Die Unionsparteien wenden sich dem an die AfD verlorenen rechten Rand zu. Es heißt, Kanzlerin Merkel habe Seehofer zu diesem Amt gedrängt, womit auch sie wieder in die Heimatspur gefunden hat, neben der sie rollte, als sie zuließ, dass die vielen, kaum kontrolliert ins Land kommenden Flüchtlinge das Sicherheitsgefühl vieler Deutscher störten. Nun passt der Seehofer auf. Was für ein Sieg.

Kann Seehofer die Patrioten beruhigen?

So sehr die Sache zum Spotten verlockt, sie ist durchaus ernst. Denn keine Partei hat bisher ein geeignetes Rezept präsentiert, um der immer stärker werdenden AfD tatsächlich Grenzen zu setzen. Im Gegenteil: Umfrage für Umfrage legten die völkisch gestimmten Rechtsnationalisten und Fremdenfeinde zu. Mit 14 Prozent waren sie der 18-Prozent-Partei SPD vergangenen Woche schon sehr nahe und auch die Neu-Parlamentarier im Bundestag zeigten Cleverness.

Bayern hat unter Ministerpräsident Seehofer die Flüchtlinge anständig behandelt, besser als Berlin jedenfalls, trotz der Obergrenzenrhetorik. Wird er im neuen Amt die ängstlichen Abendland-Patrioten in Ost und West beruhigen können? Man muss kein Freund dieses polternden, irrlichternden Politikers sein – aber wenn er Gauland und Höcke einhegt, soll es recht sein. Bisher haben die schönsten Sprüche nicht geholfen, um die Heimat vor der AfD zu schützen.