Es ist eigenartig, welche Aufregung die harmlosesten Bräuche auslösen können, wenn sie auch nur entfernt etwas mit Religion zu tun haben. Im aktuellen Fall geht es um die Sternsinger. Wie in jedem Jahr rund um den 6. Januar ziehen auch in diesem Jahr Sternsinger durch Deutschland. Es sind Kinder, die sich als die Heiligen Drei Könige verkleiden und für Hilfsprojekte in armen Ländern sammeln. Es ist die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. In diesem Jahr sammeln die Sternsinger für Nahrungsmittelprojekte auf den Philippinen.

Weil das Ganze aber einen religiösen Hintergrund hat und Träger der Aktion ein Werk der katholischen Kirche ist, hatte sich der Personalrat des Brandenburger Bildungsministeriums über religiöse Vereinnahmung beschwert. Deshalb fällt der Besuch in dieser Behörde in diesem Jahr aus. Das finden nun manche gut, andere regen sich wiederum genau darüber auf.

Niemand wird zum Zuhören gezwungen

Bemerkenswert an dieser Sache sind vor allem die diffusen Ängste und die verbreitete Unwissenheit, die sich in dieser Debatte offenbaren. Es handelt sich um einen Brauch, der in Deutschland bereits seit dem 16. Jahrhundert gepflegt wird. Und es geht um eine selbstlose Aktion. Niemand wird gezwungen, für hungernde Kinder auf den Philippinen zu spenden. Und es werden auch keine Mitarbeiter des Potsdamer Bildungsministeriums genötigt, den Kindern beim Singen zuzuhören. Niemand müsste sich also bedroht fühlen. Das allerdings scheint der Fall zu sein.

Etwas mehr Toleranz und Solidarität bei etwas weniger Egoismus wären allerdings in dieser Gesellschaft durchaus wünschenswert. Die beiden großen Kirchen leben dies vor. Vielleicht sollten wir den singenden Kindern doch ein wenig zuhören. Schaden wird uns das sicher nicht.