Äußerlich betrachtet zeigte sich Berlin wieder einmal von seiner viel gepriesenen gelassenen Seite. Als am Donnerstagnachmittag das Sturmtief „Xavier“ den (Berufs)verkehr zum Erliegen brachte, harrten die Leute geduldig in den U-Bahnhöfen aus und warteten einen überfüllten Zug nach dem anderen ab, bis sie irgendwann mitgenommen wurden.

Sie standen in Schlangen an den leeren Taxi-Halten oder beschlossen in Anbetracht stehender Busse und Straßenbahnen, mal eben zu laufen, weil dies ja ohnehin gesünder sei. Sie saßen im Bahnhof Alexanderplatz auf den Treppenstufen und fügten sich im Informationschaos der Bahn AG den höheren Gewalten, die den Zugverkehr stoppten.

Die Gelassenheit, wenn man den stoischen Zustand vieler Berliner so nennen will, hat sich über viele Jahre in dieser Stadt, die angeblich „arm aber sexy“ sein soll, eingeübt. In einer Stadt, in der die Menschen gequält und gestählt wurden von S-Bahn-Totalausfällen, BVG- und Bahnstreiks.
Die Berliner sind gewissermaßen katastrophentrainiert.

Wie auch die Angehörigen der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks, die in den vergangenen Tagen an ihre Grenzen gegangen sind. Die Helfer, die Schwerstarbeit leisteten, waren bis Sonntagnachmittag im Ausnahmezustand.

Freiwillige Feuerwehrleute zersägten nicht nur umgefallene Bäume, sondern halfen auch in den Wachen der Berufsfeuerwehr aus. Und ihre Arbeitgeber stellten sie so lange frei. Die Helfer sind katastrophentrainiert – und abgehärtet vor dem Hintergrund, dass Berlins Feuerwehr über Jahre kaputtgespart wurde.

Sie leidet unter Personalmangel und ist mit teils schrottreifen Fahrzeugen unterwegs. Doch auch dieses Mal haben es die Feuerwehrleute wieder geschafft, eine besondere Lage zu bewältigen. Man kann allerdings froh sein, dass nicht noch ein weiterer Großalarm – etwa ein Großbrand – hinzu kam.