Kommentar zu Syrien und dem IS: Böses tun, um noch Böseres zu verhindern?

Russlands Präsident Putin will an der Seite von Syriens Präsident Assad gegen die Terrorgruppe IS kämpfen. Jetzt gibt es auch westeuropäische Länder, die Flugzeuge schicken wollen. Dürfen die das? Soll man einen Diktator und Schlächter unterstützen, weil dieser von noch schlimmeren Schlächtern angegriffen wird. Muss man also das Böse tun, um noch Böseres zu verhindern?

Zu spät, um etwas richtig zu machen

Darauf kann es kein Ja oder Nein geben. In einer solchen Situation macht man alles falsch, weil es zu spät ist, um etwas richtig zu machen.

In Syrien sind in vier Jahren Bürgerkrieg 250.000 Menschen gestorben, die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht. Der IS hat fast den gesamten Norden des Landes erobert und die barbarischen Truppen, die ihren grotesken Gottesstaat errichten wollen, rücken weiter vor.

Und nun, seit Russland militärisch eingreifen will, seit Frankreich signalisiert hat, seine Zurückhaltung aufzugeben, kommt auch Bewegung in die Diplomatie. Seit vier Jahren galt immer die Vorbedingung: Erst muss Assad weg, dann können wir reden. Jetzt erstmals scheint es die Bereitschaft zu geben, mit Assad gemeinsam an einem Übergang zu Wahlen und damit zur Demokratie zu reden.

Ob das realistisch ist? Das wird davon abhängen, wie Russland, der Iran oder die Türkei sich verhält. Manchmal muss man das Böse tun, um Böseres zu verhindern. Aber ohne einen diplomatischen Lichtblick, sollte sich Europa nicht in einen Krieg verstricken lassen.