Kommentar zu Terroropfern: Zentrale Anlaufstellen einzurichten, ist der Lage angemessen

"Wir waren darauf nicht vorbereitet“, sagte der Opferbeauftragte Kurt Beck am Mittwoch in der Bundespressekonferenz. Mit dem Wort „darauf“ war der Anschlag auf dem Breitscheidplatz gemeint – der erste große islamistische Terroranschlag in Deutschland. Ebenso wichtig war aber das Wort „wir“. Und wir, das sind wir alle - oder doch die maßgeblichen Stellen.

Zwar lässt sich nicht bestreiten, dass es das von Angela Merkel geführte Kanzleramt nach dem 19. Dezember 2016 in besonderer Weise an Sensibilität hat vermissen lassen. Die Opfer, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, mussten den Kopf hinhalten, obwohl der Täter den Staat im Visier hatte. Die Begegnung mit dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und Innenminister Thomas de Maizière, die im März stattfand, war den Betroffenen augenscheinlich nicht genug. Das ist verständlich. Denn auch wenn sie es nicht ist, so gilt Merkel doch als Staatsoberhaupt und als letztlich für alles politisch Verantwortliche.

Fehler bei der Aufarbeitung

Wahr ist indes ebenso, dass es überall Defizite gab: bei der Identifizierung der Opfer, der Information der Angehörigen und der Entschädigung der Betroffenen. Hier will Beck seine zahlreichen Hebel ansetzen. Die Empfehlung, sowohl kurz- wie auch langfristig zentrale Anlaufstellen einzurichten, ist ebenso der Lage angemessen wie die Empfehlung, die Entschädigungszahlungen zu erhöhen, die bürokratischen Hürden zu senken und In- wie Ausländer gleichermaßen mit Hilfen zu bedenken. Hilfesuchende sollen nicht von Pontius zu Pilatus laufen müssen.

Sie müssen nicht zur Hilfe, die Hilfe muss zu ihnen kommen. Zu begrüßen ist ferner, dass sich die Bundesregierung die am Mittwoch präsentierten Empfehlungen eins zu eins zu Eigen machen und offenbar rasch umsetzen will. Anders als andere Beauftragte hat Kurt Beck nicht für den Papierkorb gearbeitet. Was er vorschlägt, ist hieb- und stichfest. Entscheidend ist jedenfalls nicht mehr, was im Dezember 2016 so kurz vor Weihnachten geschah und sich fatalerweise nicht oder kaum wiedergutmachen lässt. Entscheidend ist, dass sich die Fehler bei der Aufarbeitung nicht wiederholen. Der jetzt vorliegende Abschlussbericht muss dafür ein Anfang sein. Denn der nächste Terrorakt kommt wohl leider bestimmt.