Jeder hat seine Päckchen zu tragen, besonders jeder, der das von Berufs wegen macht. Pakete, sie dürfen bis zu dreißig Kilo schwer sein, trägt der Bote natürlich auch aus. 280 Sendungen, das ist das Leistungssoll – 280 Sendungen jeden Tag, oft bis in die oberste Etagen und ohne Fahrstuhl.

Immer hofft der Bote, dass der Empfänger zu Hause ist. Ein Zusteller hat wohl zu oft vergeblich geliefert, er hinterließ eine Nachricht: „Wenn Sie sich so viel Scheiße bestellen, dann bleiben Sie auch gefälligst zu Hause!“ Das Zeugnis eines frustrierten Arbeitslebens hat ein Kunde ins Netz gestellt. Die Zeit berichtete.

Mein Paketbote wartet lange vor der Tür, bevor er auf gut Glück einen nächsten Knopf versucht. Es kann passieren, dass der zuerst Gedrückte nun doch noch in die Gegensprechanlage ruft und sich der zweite Gedrückte wegen der Störung beschwert. Manchmal öffnet auch niemand, dann bittet der Bote weitere Unbeteiligte um Zwischenlagerung, bei uns ist das meistens die Modellschneiderei gegenüber.

Zusteller arbeiten sich mit ihren Transportern Stück für Stück durch die Straßen. Schwere Frachten legen sie auf eine Karre. Die leichteren stemmen sie sich auf die Schulter und balancieren die wackelnde Last zum Kunden. Ich sehe meinen Paketzusteller immer in Eile. Er ist schlank und sportlich, aber eben auch schon über fünfzig.

Acht von zehn Deutschen wollen ihre Weihnachtsgeschenke online kaufen

Die Arbeit ist hart und schlecht bezahlt, Zusteller fehlen überall. Die DHL hat für die Vorweihnachtszeit eine spezielle Bewerbungswebsite eingerichtet: www.hoho-ho.de. Es sollen sich zu wenige Leute beworben haben. In manchen Ländern, auch in Deutschland, laufen Experimente, bestellte Ware mit Drohnen hinzufliegen. Der Luftraum, lese ich, sei ja nicht ausgelastet.

Acht von zehn Deutschen wollen ihre Weihnachtsgeschenke online kaufen. Jeff Bezos gründete 1994 den Online-Versandhandel Amazon. Der Mann in Seattle ist 53 und reichster Mann der Welt. Vor Weihnachten hat sein Vermögen noch mal einen Satz gemacht – jetzt besitzt er 100 Milliarden Dollar.

Der Geschenke-Bestseller ist die weiße Calvin-Klein-Standard-Unterhose.

Ich bin davon besonders beeindruckt, weil ich früher glaubte, dass einer Milliarde hundert Millionen entsprechen, inzwischen aber sicher weiß, dass es tausend Millionen sind. Schon eine Menge Geld.

Im deutschen Amazon-Center in Bad Hersfeld – hier gibt es nur Kleidung und Schuhe – verschicken die Angestellten an Spitzentagen 290.000 Artikel. Der absolute Bestseller ist die weiße Calvin-Klein-Standard-Unterhose. Für mich bringt das nichts.

Denn ich will alles anprobieren, anfassen, bevor ich es kaufe. Online schickt Kartons ins Haus. In unserem Hof hüpft eine junge Nachbarin auf Pappbergen, um sie für die Papiertonne flachzulegen. Die sind schnell voll. Wenn der Inhalt der Kartons dem Besteller nicht gefällt, geht er als kostenlose Retoure zurück und wird für den nächsten Interessenten gewaschen, gebügelt, repariert, verpackt, verschickt. Was für eine Verschwendung.

Neben mir liegt ein weißes Kleid, eine meiner sehr seltenen Online-Bestellungen. Das Kleid ist zu eng. Ich habe es bei Floryday.com gesehen, bestellt und bezahlt. Ausgerechnet bei diesem Internetversand muss man knappe Rücksendefristen einhalten. Ich bin zu spät, jetzt muss ich mich reinhungern.