An Airbnb scheiden sich die Geister. Die einen lieben die neuen Möglichkeiten des günstiges Übernachtens, andere machen das Portal für die "Ferienwohnisierung" ganzer Kieze mitverantwortlich. Zuletzt sorgte eine Grafik der Designerin Alice Bodnar für Aufsehen.

Sie zeigte exemplarisch am Wrangelkiez in Kreuzberg, wie viele Wohnungen eigentlich via Airbnb an Touristen vermietet werden - und wie wenig Miet-Inserate es im Vergleich dort gibt.

Nun hat Airbnb Zahlen veröffentlicht, die zeigen sollen, wie häufig das Wohnportal in Berlin genutzt wird – und wie sehr die Stadt davon profitiert. Demnach übernachteten im vergangenen Jahr 245.000 Menschen bei Airbnb-Gastgebern in Berlin.

Vier von fünf Besuchern kamen aus dem Ausland. Und, das ist Airbnb besonders wichtig: 136,5 Millionen Euro sollen die Airbnb-Gäste 2013 in Berliner Geschäften ausgegeben haben, hat das Portal ermitteln lassen. Die Gastgeber verdienten laut Airbnb 31,5 Millionen Euro.

Im Durchschnitt habe jeder Berliner Airbnb-Gastgeber 210 Euro im Monat eingenommen, heißt es weiter. Das Geld nutze jeder Dritte, um sich während freiberuflicher Arbeit oder anderer Projekte über Wasser zu halten.

Freund der Armen?

Airbnb als Freund und Helfer der Armen und Kreativen? Was ist dann dran an den Ängsten und Sorgen, das Sharing-Portal könnte dem Kiezleben schaden? Da muss man unterschieden. Gegen Privatleute, die ihre eigene Wohnung für einen kurzen Zeitraum untervermieten, ist eigentlich nichts einzuwenden.

Dadurch wird kein Wohnraum "zweckentfremdet", wie es so schön im Beamtendeutsch heißt. Ändert sich das Kiezleben? Ich glaube nicht. Im Gegenteil, zusätzliche Einnahmen aus drei, vier Wochen Airbnb-Vermietung könnten alteingesessenen Berlinern helfen, sich die steigenden Mieten weiter leisten zu können.

Anders verhält es sich mit Wohnungen, die das ganze Jahr über ausschließlich als Ferienwohnungen angeboten werden. Die Eigentümer tun das aus nachvollziehbaren Gründen – sie erwirtschaften ein Vielfaches der möglichen Mieteinnahmen. Und das schadet dem Kiez.

Die meisten Ferienwohnungen Berlins gibt es in der Wilhelmstraße in Mitte. Allein 112 Ferienwohnungen wurden dort gemeldet, vermutlich sind es noch einige mehr. Ein typisches Kiezgefühl mit vielen Familien und vertrauten Gesichtern, denen man immer wieder begegnet, ist da nur schwer vorstellbar. Vom Wilhelmstraßen-Kiez habe ich jedenfalls noch nie gehört.

Mitte bleibt hart

Diese Problematik hat auch Airbnb erkannt und versucht, sich von kommerziellen Ferienwohnungsanbietern abzugrenzen. Nach eigenen Angaben geht das Online-Portal gezielt gegen kommerzielle Anbieter vor. Und auch die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens zeigt erste Erfolge.

Denn einige Bezirke legen das Berliner Zweckentfremdungsverbot inzwischen weniger strikt aus als anfangs erwartet: Der Bezirk Pankow etwa gestattet das Vermieten der eigenen Wohnung an Touristen für maximal zwei Wochen im Jahr, in Friedrichshain-Kreuzberg darf die Privatwohnung nicht vorwiegend kommerziell genutzt werden, heißt es in der taz.

Mitte und Treptow-Köpenick bleiben dagegen hart. Wer seine Wohnung mehr als einmal vermietet, verstößt gegen das Zweckentfremdungsverbot. Zwar kann man beim jeweiligen Bezirksamt eine Genehmigung beantragen, wird diese aber nur im Ausnahmefall bekommen.