Berlin - Alle Jahre wieder kommt der 1. Mai – und damit auf die Berliner Polizei eine Härteprüfung zu. Inzwischen sollten sie geübt sein, könnte man denken. Doch jede Demonstration birgt Unwägbarkeiten, am 1. Mai kommen gleich 15 davon zusammen – und bei der „Revolutionären 1. Mai-Demo“ verweigern die Ausrichter jede Kooperation mit der Polizei. Eine für die Polizei schwierige Klientel, für die sie selbst der Hauptfeind sind, vielleicht sogar noch vor den Wohlhabenden und Millionären, gegen die die Demo mit dem Motto „Gegen die Stadt der Reichen“ in diesem Jahr protestieren will.

Schwer einzuschätzen ist auch, ob sich die aktuell aufgeheizte Stimmung beim Thema Wohnen und Enteignen auf die Teilnehmerzahl auswirken wird. Es ist deswegen richtig, dass die Zahl der Polizisten im Vergleich zu 2018 noch einmal erhöht wurde.

Trotz aller Unwägbarkeiten ist es ebenso richtig, dass Innensenator Andreas Geisel die „Revolutionäre“ durch Friedrichshain, ja, vielleicht sogar durch die Rigaer Straße ziehen lassen will. Demokratien müssen Demonstrationen verkraften, auch wenn sie nicht angemeldet wurden. Ein rot-rot-grüner Senat, der sich das Ziel gesetzt hat, das liberalste Versammlungsgesetz des Bundes zu schaffen, muss worttreu bleiben, unabhängig davon, wer sich da versammelt.

Eine Grenze aber sollte es geben: Im Osten der Rigaer Straße sind wegen einer Großbaustelle Zäune aufgebaut, der Weg deswegen extrem verengt. Hier passt kein Auto mehr durch – doch genau hier wird es die Demonstranten wegen des umstrittenen Bauprojekts vermutlich hinziehen. Bei aller Freiheitsliebe – das muss die Polizei verhindern. Die Loveparade lässt grüßen.