Berlin - Seit Jahren tobt der Kampf um drei Straßennamen im Afrikanischen Viertel, nach mehr oder weniger übel beleumundeten Kolonialisten benannt. Am Mittwoch soll ein neuer Schritt dahin getan werden, Petersallee, Lüderitzstraße und Nachtigalplatz umzuwidmen. Geht es nach der AfD, bleibt alles, wie es ist.

Das erläuterte der AfD-Bundestagsabgeordnete Götz Frömming auf einer mittels drei Dutzend Polizisten nahezu störungsfrei gehaltenen AfD-Veranstaltung. Der einstige Studiendirektor will Lüderitz und Nachtigal als Namenspatrone erhalten, so die Erinnerung an den deutschen Kolonialismus wach halten, begleitet von Schulprojekten. Peters, ein selbst dem Kaiserreich widerlicher Gangster, sei aus dem Spiel, weil die Petersallee seit 1986 nicht mehr nach ihm, sondern nach einem Berliner Nazi-Gegner und Nachkriegspolitiker benannt ist.

Mit der im Schuldienst geübten Herablassung gegenüber den antikolonialistischen „jungen Leuten“ im Publikum machte er durch den Vergleich mit den Verbrechen anderer Staaten aber vor allem klar: Die AfD relativiert die Untaten des deutschen Kolonialismus. 

So reden Demagogen

In einem Gutachten zur möglichen Umbenennung, das der Berliner Zeitung vorliegt, bewertet er das Massaker an Herero und Nama im heutigen Namibia. Es habe eine „Erhebung“ gegeben, die „blutig niedergeschlagen“ worden sei. Dass es deutsches Militär war, das Männer, Frauen und Kinder in einer wasserlosen Wüste elend zugrundegehen ließ, schreibt er nicht, erklärt den Völkermord zum Ergebnis „kolonialer Unerfahrenheit“.

Am Ende habe sich die „nicht auf Assimilation abstellende Kolonialpolitik der Deutschen auch positiv auf das Entstehen eines Bewusstseins für eine eigene, afrikanische Zivilisation“ ausgewirkt. So zynisch kann man Rassismus auch interpretieren.

Frömming sieht die Eroberungspolitik als Produkt eines Glaubens an Fortschritt, den die Kolonialisten den eroberten Völkern samt Zivilisation angeblich zu bringen hofften. Dieser Fortschrittsglaube wohne auch denen inne, die heute in einem „Machtdiskurs“ um die Deutungshoheit Straßennamen ändern wollten, und deshalb seien sie Träger eines modernen Kolonialismus.

So reden Demagogen, die sich einer unbequemen Vergangenheit entledigen wollen.