Berlin - Gestern wurde das ganze Ausmaß des Flughafen-Skandals deutlich. Mit dem Eröffnungsdatum März 2013 gestehen die Verantwortlichen ein, dass die Bauarbeiten nicht nur ein paar Tage oder Wochen im Rückstand sind, sondern mehr als neun Monate. Das muss man sich vorstellen: Erst kurz vor dem komplett organisierten und gegen alle Skeptiker verteidigten Umzug am 2. Juni kommt heraus, dass eigentlich noch ein Dreivierteljahr gebaut werden muss, um den Airport betriebsbereit zu machen. Es ist unglaublich.

Das zeigt, wie fern der Realität die Aufsichtsräte und Flughafenmanager bis zuletzt gewesen sind. Die Länderchefs Wowereit und Platzeck sowie Geschäftsführer Schwarz haben der Öffentlichkeit noch auf ihrer ersten Pressekonferenz vor eineinhalb Wochen erzählt, dass die Verschiebung der Eröffnung zwar bedauerlich sei, aber ganz bestimmt nach den diesjährigen Sommerferien im August erfolgen könne. Erst nachdem sie diesen utopischen Termin herausposaunt hatten, machten sie sich an die Fehleranalyse. Und siehe da: Es ist alles viel schlimmer als gedacht.

Wowereit und Platzeck mögen von den Managern getäuscht worden sein. Aber letztlich tragen auch sie als Aufsichtsräte Verantwortung. Ein Wort der Selbstkritik wäre durchaus angebracht gewesen. Aber ob sie Fehler nun eingestehen oder nicht: Die Schmach werden sie aus ihrer politischen Biografie nicht tilgen können.