Unterrichtsausfall ist ein Reizthema. Viele Eltern regen sich auf über Mathe- oder Englischunterricht, der wochenlang nicht stattfindet. Wenn Lehrer, Eltern- und Schülervertreter nun ein Volksbegehren für Unterrichtsgarantie und gegen Stundenausfall starten, dann dürfte dies auf fruchtbaren Boden fallen.

500.000 junge Menschen unter 18 Jahren leben derzeit in Berlin, bei einer Million dazugehöriger Eltern könnte ein Volksentscheid durchaus erfolgreich sein. So kalkulieren die Initiatoren, die ganz bewusst einen solch knackigen Begriff wie Unterrichtsgarantie gewählt haben. Dafür wollen sie 2700 Lehrer zusätzlich einstellen, was Geld kosten wird.

Es ist wohl nicht ganz falsch, dass diese Lehrerinitiative mit dem Vehikel des Stundenausfalls hier auch ein Eigeninteresse verfolgt, nämlich kleinere Klassen durchsetzen zu wollen. Doch dies ist nur begrenzt gegen sie zu verwenden, denn von kleineren Lerngruppen würden letztlich gerade auch benachteiligte Kinder profitieren. Förderstunden würden nicht mehr wie heute leider üblich in großem Maße dem Vertretungsunterricht geopfert.

Unterrichtsgarantie – nur ein knackiger Begriff?

Im Vagen aber bleibt, wie eine solche Unterrichtsgarantie konkret aussehen soll. Die zusätzlich eingestellten Lehrer werden ja nicht wie Ersatzspieler beim Fußball auf ihren Einsatz warten. Sie würden vielmehr für zusätzliche Kurse verplant werden. Erkrankt dann ein Pädagoge, wird dies zwangsläufig von Eltern und Schülern wiederum als Stundenausfall wahrgenommen.

Auch wird schon rein rechnerisch nicht immer ein fachkundiger Lehrer einen Mathe- oder Englischlehrer ersetzen können. Von daher wird es eine Aufgabe der Initiatoren des Volksbegehrens sein, schlüssig darzulegen, wie diese Unterrichtsgarantie tatsächlich eingelöst werden soll. Oder ob es nur ein knackiger Begriff sein sollte.