Wer steckt hinter dem Brandanschlag auf die Berliner S-Bahn? Darüber wird in der Landespolitik nun heftig diskutiert und vor allem: wild spekuliert. Wahlweise waren es Klimaaktivisten (FDP) oder Linksradikale (CDU) oder es wird beides angezweifelt (Grüne) – je nach dem, wie es am besten zu den parteipolitischen Interessen passt.

Monika Herrmann streute Zweifel am Bekennerschreiben 

Eine Gruppe namens Vulkan OK hat sich online zu dem Anschlag bekannt. Sie behauptet, sie wolle damit „Fridays for Future“ unterstützen und den Verkehr zum Flughafen abschneiden. Zu einem Generalstreik, schreiben sie, gehörten auch Blockaden und „feurige Sabotageaktionen“. Dabei bezieht sie sich aber auch auf Anschläge, die begangen wurden, bevor es „Fridays for Future“ gab.

Monika Herrmann, grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, hält es für möglich, dass das Schreiben ein Fake ist, gestreut, um die Klimaproteste zu diskreditieren. Das ist voreilig – bisher hat noch jedes große gesellschaftliche Anliegen radikale Verfechter oder verrückte Mitläufer gefunden.

Berliner Politiker sollten Spekulationen lieber sein lassen 

Marcel Luthe, Innenpolitiker der FDP, zieht hingegen Parallelen zu Extinction Rebellion, dem noch recht jungen, radikaleren Arm der Klimabewegung. Doch die „Rebellen gegen das Aussterben“ haben bisher bloß einige wenige Straßenblockaden in Berlin auf die Beine gestellt, treten unter Klarnamen und bei Demos unvermummt auf. Ihr Ziel ist ziviler Ungehorsam, aber gewaltfrei, das betonen sie immer wieder. Brandanschläge passen schlecht in dieses Bild.

Statt haltlos zu spekulieren, sollten Berlins Politiker einfach ihren Job machen – und nicht Hilfssheriffs spielen. Die Polizei wird es ihnen sicher danken.