Meine Güte, was für eine Aufregung! Von einem „Angriff auf die Demokratie“ und dem „größten Hackerangriff Deutschlands“ war die Rede, als hätten wir es mit einem nie dagewesenen, vollkommen überraschenden Großereignis zu tun.

Doch halten wir nüchtern fest: Wir sind in Deutschland weder mental noch technisch im digitalen Datenzeitalter angekommen. Anders gesagt, der am Donnerstag bekannt gewordene, Hunderte von Politikern, Prominenten und Webstars betreffenden Datenklau ist wie ein Komet im von der Kanzlerin so definierten Neuland eingeschlagen.

Junger Mann mit Zeit und Wut

Es kommt noch schlechter. Lassen wir uns das einmal auf der Zunge zergehen: Nach Auskunft der Ermittler hat ein 20-jähriger, noch bei seinen Eltern wohnender Schüler ganz allein und nur auf der Grundlage seiner Internet erworbenen technischen Kenntnisse die Cyber-Attacke durchgeführt, weil ihm die Äußerungen der betroffenen Personen missfallen haben. Dabei konnte er mit einigem Fleiß die im Netz oder auch im Darknet mehr oder weniger frei zugänglichen und insofern auch nicht von ihm „gehackten“ Daten einsammeln – und veröffentlichen.

Mehr hat es also für den „Mega-Cyber-Angriff“ auf Deutschland nicht gebraucht: ein junger, irgendwie computeraffiner Mann mit Zeit und Wut. Kaum auszudenken, wenn hier noch professionelles Hackerwissen und großkriminelle, gar bandenmäßig organisierte Energie hinzukommen würden. Immerhin, eine gute Nachricht gibt es in diesem ganzen Schlamassel: Die Behörden sind entgegen aller Vorhersagen dem Täter auf die Spur gekommen, und das auch noch recht schnell. Das ist beruhigend. Jedenfalls ein winziges kleines bisschen.