Der aktuelle Skandal offenbart eindrücklicher als je zuvor, wie sehr Facebook die Datensicherheit seiner Nutzer mit Füßen tritt – und wie der Konzern sogar Hilfestellung für Angriffe auf die Demokratie leistet. Informationen von 50 Millionen Facebook-Usern sollen von einem Forscher gesammelt, an das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica weitergegeben und im US-Wahlkampf für zielgenaue Werbung pro Donald Trump genutzt worden sein.

Mark Zuckerberg hat zu den Vorwürfen tagelang geschwiegen, gestand am Mittwoch dann immerhin knapp ein, dass sein Unternehmen einen Fehler gemacht habe. Zuvor hatte er lediglich mitteilen lassen, dass Facebook „entrüstet“ sei und sich „betrogen“ fühle. Dabei braucht Facebook nicht überrascht zu sein, schließlich bot es dem Wissenschaftler einen speziellen Zugang, um Daten zu gewinnen.

Dass sie am Ende von einem windigen Unternehmen zur Wahlbeeinflussung missbraucht wurden, war vielleicht nicht abgesprochen. Aber überraschen darf das Facebook keineswegs. „Zeig mir deine Likes und ich zeig dir, was du als nächstes kaufst“ – nach diesem Prinzip finanziert sich Facebook. Dass zu dem Spiel auch gehört: „Zeig mir deine Likes und ich zeig dir, wen du wählen sollst“, das leugnet der Facebook-Gründer nun.

Zuckerberg schweigt

Dabei hält sich Facebook schon lange nicht mehr aus der Politik raus. Bloomberg berichtete im Dezember, dass Facebook ein Team durch die Welt schicke, um Parteien und Regierungen beizubringen, wie man die Werkzeuge des Netzwerks für seine Zwecke nutzt. Laut Bloomberg mit auf der unrühmlichen Kundenliste: Trump, Philippinen-Präsident Duterte und die deutsche AfD. Erstaunlich einfach war es auch für russische Gruppen, im US-Wahlkampf für rund 150 000 US-Dollar Anzeigen für Trump und gegen Hillary Clinton zu schalten, die mehr als 100 Millionen Nutzer sahen.

Das Geld aus diesen Geschäften streicht Zuckerberg ein – und schweigt selbst dann, wenn dubiose Deals an die Öffentlichkeit gelangen. Das (wirk)mächtigste Unternehmen der Welt entzieht sich jeder Verantwortung. Einladungen zu Befragungen vor Parlamenten werden das nicht ändern. Druck müssen jetzt die Nutzer ausüben, um deren Selbstbestimmung es hier geht. Es ist Zeit für einen Shitstorm, der Zuckerberg zum Reden und Handeln zwingt. Oder Zeit dafür, sich ansonsten ganz aus der blauen Meinungsmaschinerie zu verabschieden.