Wer sich das ganze Elend des Pannenprojekts BER unbedingt auch noch in Buchform zu Gemüte ziehen will, sollte sich den 17. Mai rot anstreichen. Denn dann soll sie erscheinen, die definitive Generalabrechnung, die alles enthüllende Ursachenforschung. „Black Box BER: Vom Flughafen Berlin Brandenburg und anderen Großbaustellen. Wie Deutschland seine Zukunft verbaut“: So heißt das 128-seitige Buch, das der zur Unternehmensgruppe Bastei Lübbe gehörende Quadriga-Verlag auf den Markt bringen will.

Auch wenn der Autor, der normalerweise notorisch grantige BER-Architekt Meinhard von Gerkan, aktuell erwägt, ob er den Fehde-Handschuh nicht doch eventuell wieder einmottet. Der neue Flughafenchef Hartmut Mehdorn verhandelt gerade mit ihm darüber, ob die im Mai 2012 gefeuerten Planer aus von Gerkans Büro gmp auf die BER-Baustelle zurückkehren und bei der Chaosbeseitigung mithelfen könnten – sicherlich nicht zum Nulltarif, sondern für eine angemessene Vergütung. Zum erneuten Aufblühen der Geschäftsbeziehung wird das Buch nicht passen. Aber was soll’s?

Denn derzeit sieht es so aus, als ob ohnehin kaum noch jemand an allen Verästelungen dieser unendlichen Geschichte interessiert ist. Wer heute über das Projekt BER nachdenkt, empfindet nur noch eine diffuse Traurigkeit darüber, wie ein so sinnvolles Vorhaben durch Überheblichkeit und Inkompetenz dermaßen tief in Grund und Boden gewirtschaftet werden konnte. Daran haben natürlich auch von Gerkans Leute ihren Anteil, die des Durcheinanders nicht mehr Herr wurden, aber nicht laut genug Alarm schlugen.

Wer sich nun tatsächlich in die dunkle BER-Welt begeben will: bitte! Für Aufsichtsräte sollte es auf jeden Fall eine Pflichtlektüre sein. Aber sonst: Viel Erhellendes ist von dem Buch wohl nicht zu erwarten.