Kommentar zum Gipfeltreffen zwischen Kim Yong Un und Donald Trump: Wie Science Fiction

Rund drei Stunden, nachdem das erste Treffen der Geschichte zwischen einem US-Präsidenten und Nordkoreas Diktator startete, ist unklar, ob der Weg ins Neuland aus der Sackgasse führt, in der die koreanische Halbinsel steckt. Aber es gibt Grund zur Zuversicht. Denn beide Seiten zeigten guten Willen - und vermieden jeden bösen Ton.

Was immer der Gipfel in Singapur bringen wird, der verfemte Donald Trump hat in Bezug auf Nordkorea zumindest vier Dinge geschafft: China verschärfte seine Sanktionen gegen Nordkorea. Pjöngjang stoppte alle Raketentests. Einige Gefangene wurden freigelassen. Und Pjöngjang, lange auf Isolierungskurs, sucht nun Kontakt zu Russland, Südkorea, China und den USA.

Skepsis bei den Nachbarländern

Die betroffenen Nachbarländer beobachten die ungewohnte Annäherung eher skeptisch. Japan fürchtet, direkt von Pjöngjangs Atomraketen bedroht, Zugeständnisse ohne große Anstrengungen auf nordkoreanischer Seite. China, das Kim ein Flugzeug für die Reise nach Singapur auslieh, wacht mit Argusaugen darüber, dass Pjöngjang im eigenen Einflussbereich bleibt. Südkorea wiederum blickt voller Hoffnung auf eine Entspannung.

Doch eines wurde während der vergangenen Tage deutlich. Der Diktator aus Pjöngjang, dessen Regime als das repressivste der Welt gilt, erschien in Singapur nicht als fremdelnder Eremit, sondern als neugieriger Gast. Im Laufe des Dienstags muss sich nun zeigen, ob die Hoffnung auf ein Ende der Jahrzehnte währenden alten Konfrontation Science Fiction bleibt. Singapur wird ein großer Erfolg, wenn der erste Schritt von vielen gelingt.