Einen Sommer hat Cengiz Demirci im Görlitzer Park überstanden und ist dabei weder wunderlich noch verbittert geworden. Das ist bemerkenswert, denn Demirci ist der Parkmanager. Der Sozialpsychologe wurde als letzte Rettung für den Park eingestellt, um all jene Probleme zu lösen, die sich jahrelang zum Berg auftürmten und die weder Politiker noch Polizisten bisher auch nur im Ansatz lösen konnten.

Aufdringliche Drogendealer, uneinsichtige Hundebesitzer, feierwütige Touristen, Romafamilien, die hier monatelang campierten – der Görli ist gewissermaßen ein Sinnbild für alles, was schiefläuft in Berlin.

Die Berliner Pointe

Der CDU-Senator hat sich hier mit seiner Null-Toleranz-Politik ebenso die Zähne ausgebissen wie die Bezirksbürgermeisterin der Grünen, die für vieles Verständnis hat und sich für die gravierendsten Probleme gar nicht erst zuständig fühlt. Ihr Vorschlag im vergangenen Jahr war, mehr Polizei in den Park zu schicken. Stattdessen kamen Demirci und seine Parkläufer. Sie reden mit allen.

Sie treffen Absprachen mit Drogendealern, keine Kinder anzusprechen. Sie sagen den Hundebesitzern, dass sie ihre Tiere hier nicht frei rumlaufen lassen dürfen. Sie sind hartnäckig und haben Erfolg damit. Die Zahl der Diebstähle ist zurückgegangen, es wird weniger gedealt, es gibt weniger Gewaltdelikte. Viele Anwohner gehen jetzt lieber in den Park. Wann gab es das letzte Mal so positive Nachrichten von einem der schlimmsten Brennpunkte der Stadt?
Ahnen Sie etwas? Jetzt kommt die Berliner Pointe.

Das Kreuzberg, das wir kennen

Es gibt tatsächlich Menschen, die auch hier ein Haar in der Suppe finden. Der Parkmanager handele zu eigenmächtig und habe zu viele Ideen, für die er erst mal Konzepte ausarbeiten solle. So hört man es aus dem Gründungsrat. In Mails an den Bezirk haben sie sich über Demirci beschwert.

Der Gründungsrat ist ein Gremium, in das die Anwohner 15 Vertreter geschickt haben und das die Wahl eines Parkrates vorbereiten soll. Aber erst einmal muss eine Satzung ausgearbeitet werden. Kreuzberg scheint deutscher zu sein, als man es im Rest der Stadt vermutet. Andere Anwohner bedrohten Demirci als Gentrifizierer, weil er den Görli aufwerte. Das wiederum ist das Kreuzberg, das wir kennen. Mal sehen, wie es für den Görlitzer Park endet.