In der vergangenen Woche machte eine Studie Schlagzeilen, die besagt, dass Väter am glücklichsten sind, wenn sie fünfzig Stunden pro Woche arbeiten und die Rolle des Familienernährers übernehmen.

Mütter sind angeblich auch am glücklichsten, wenn der Mann erst spät aus dem Büro kommt. Die Aufregung war sofort groß. „Bullshit“, kommentierten einige auf Twitter. „Kann man sich dann Gleichstellungspolitik wie Elternzeit, Vätermonate und Frauenquote sparen,“ fragten sich andere.

Umschwung in der Politik: Elterngeld und Vätermonate

Mich hat an der Studie überrascht, dass deutsche Väter anscheinend kein Problem damit haben zu sagen, dass sie glücklicher bei ihrer Arbeit als bei ihren Kindern sind. Das fand ich traurig. Und ich dachte, da wären wir weiter.

Ich kenne engagierte, liebevolle Väter, die mit ihren Chefs darum ringen, weil sie mehr als die üblichen zwei Monate Elternzeit nehmen wollen, die ihre Stunden im Büro verkürzen, damit sie ihre Kinder von der Kita abholen können, und zwar nicht nur einmal die Woche. Schon klar, das sind die Ausnahmen. Oder die Vorreiter.

Der große Umschwung in der Gleichstellungspolitik, der erstmals auch Männer in die Verantwortung nahm, fand 2007 statt, mit dem Elterngeld und den Vätermonaten. Das ist noch nicht lange her.

Papa verdient Geld, Mama kümmert sich um die Kinder

Die Daten, die in der Studie ausgewertet wurden, umfassen drei Jahrzehnte, von 1984 bis 2015, überwiegend eine Zeit ohne Vätermonate, ohne Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Der Durchschnittsdeutsche lebt demnach das klassische Rollenmodell, Papa verdient das Geld, Mama arbeitet Teilzeit und kümmert sich um die Kinder.

Oft wird argumentiert, dass es damit zusammenhängt, dass Männer mehr verdienen. Doch laut dem Soziologen Schröder hat das Einkommen kaum Einfluss auf die Verteilung. Die meisten schlittern in das klassische Rollenmodell wie auf ein altes, bequemes Sofa. Weil vielen Frauen ihr Job offenbar nicht so wichtig ist, weil sie zu Hause die Kontrolle nicht abgeben wollen. Weil sie es auch Privileg empfinden. Und Papa reicht es, einmal die Woche mit den Kindern zum Sportkurs zu gehen.

Wer es anders macht, muss sich erklären, rechtfertigen, wird schief angeguckt. „Vielleicht ist es einfacher, so zu leben wie alle. Sich gegen stereotype Rollenbilder zu stemmen, kostet viele Menschen möglicherweise Lebenszufriedenheit“, sagte Soziologe Martin Schröder der Zeit.

Erst Trennung, dann Armut

So unkompliziert das traditionelle Modell zunächst erscheint, muss man aber auch sagen, dass die Entscheidung dafür Folgen hat. Vor allem für Frauen, die länger aus dem Job aussteigen. Es ist riskant, sich vom Geld des Mannes abhängig zu machen und darauf zu hoffen, dass die Beziehung schon bis ins Alter hält.

„Man sollte einen Partner im Rücken haben, der die finanzielle Nachteile auffängt und man sollte sich Gedanken drüber machen, was passiert, wenn die Partnerschaft kaputt geht“, sagt die Finanzexpertin Annette Mücke, die Frauen bei der Altersvorsorge berät. In Deutschland wird fast jede zweite Ehe geschieden. Dann rutschen vor allem die Mütter ab.

Studien belegen, dass selbst erwerbstätige Frauen im Alter einmal sehr arm sein werden. Eine Untersuchung der FU Berlin ergab, dass 40 Prozent aus den alten Bundesländern und 20 Prozent aus den neuen Bundesländern maximal 600 Euro Rente bekommen werden. Wer 20 Jahre Teilzeit gearbeitet hat, erhält im Schnitt 220 bis 270 Euro.