Kommentar zum Korruptionsverdacht am BER: 1000 Tage Elend am Berliner Problemflughafen

Berlin - Zum Jubiläum ein weiterer Skandal: 1000 Tage sind inzwischen verstrichen seit der geplatzten Eröffnung des leider funktionsuntüchtigen Flughafens BER im Südosten der Stadt. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft in einem neuen Verdachtsfall von Korruption ermittelt: Ein früherer Mitarbeiter soll Millionen von einem Unternehmen kassiert haben, das – wie könnte es anders sein – an der Brandschutzanlage herumwerkelte, die bis heute als größtes Problem der Baustelle gilt.

Technikchef Jochen Großmann mit bedenklicher Doppelrolle

Korruption am Flughafen, war da nicht was? Ja, genau, es ist noch nicht einmal ein Jahr her, dass einer der wichtigsten Manager die Baustelle wegen Vorteilsannahme verlassen musste. Der damalige Technikchef Jochen Großmann hatte bei seinem Amtsantritt kurz zuvor als großer Löser von Problemen gegolten – und wurde dann selbst zu einem.

Man habe keine Chance gehabt, Großmanns Machenschaften aufzudecken, hieß es damals von der Flughafengesellschaft, die eigens eine Taskforce einsetzte. Doch das stimmt nur bedingt. Großmann war zum Tatzeitpunkt in einer äußerst bedenklichen Doppelrolle am Flughafen unterwegs. Mit seinem eigenen Unternehmen war er Auftragnehmer, als Berater wirkte er zugleich an der Auftragsvergabe mit.

Aufsichtsrat war einbezogen

Noch sind nicht viele Details zu dem neuen Verdachtsfall bekannt. Klar scheint aber, dass der Aufsichtsrat in den zugrunde liegenden Vorgang einbezogen war. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, dann sind sie nicht nur wegen der deutlich höheren Summe gravierend, sondern auch, weil die Kontrolleure offenbar versagt haben.

Der Aufsichtsrat tagt in zwei Wochen wieder. Er täte gut daran, wenn er das Thema Korruptionsbekämpfung auf die Tagesordnung setzt und bald wirksame Maßnahmen beschließt.