Und das nach einem Vierteljahrhundert Baustelle Berlin: Aufbau Ost und Umbau West, Potsdamer Platz, Leipziger Platz, Friedrichstraße, Regierungsviertel, Hauptbahnhof, Kurfürstendamm, Breitscheidplatz, unzählige andere Investitionsprojekte. Viel zu oft schreibt und liest man nur über die Architektenpläne, die Bauherren und die Einweihungsfeiern, viel zu selten über diejenigen, die die Kästen dann tatsächlich hinstellen (mit besten Grüßen an Bert Brecht).

Es gibt keine größere Baustelle ohne Billiglöhner aus dem Ausland. Seit dem Protest der Rumänen von der „Mall of Shame“, dem Einkaufszentrum der Schande, wissen wir mehr über deren Lebensbedingungen: Sie schlafen zusammengepfercht irgendwo, haben keinerlei Verträge, kriegen, wenn überhaupt, sittenwidrige Löhne.

Erfolg dank Hartnäckigkeit

Nein, natürlich muss das nicht überall so sein, aber wenn es beim Prestigeprojekt Mall of Berlin so war, dann ist es nirgendwo auszuschließen. Die Menschen wurden schamlos ausgebeutet, die (deutschen!) Subsubsubunternehmer zahlten ihnen am Ende nicht einmal den Dumpinglohn, sondern gar nichts. Vor Gericht taten sie so, als wären die Menschen nicht einmal am Ort gewesen.

Aufgedeckt wurde dieser Skandal durch die Hartnäckigkeit einiger Bauarbeiter, unterstützt von Gewerkschaften – übrigens vor allem von der anarcholinken FAU, die den Rechtsanwalt finanziert. Auch der DGB hat Beratungsstellen für Wanderarbeiter, doch Appelle und scharfe Briefe nützen oft nichts. Am besten wäre es, sofort und direkt dort aufzuklären, wo das Problem entsteht. An der Baustelle.