Berlin - Auf den ersten Blick erscheinen sie sehr unterschiedlich: Eine junge Mutter, eine ältere Dame, die im Rollstuhl sitzt, ein Club-Gänger und ein älteres Ehepaar. Sie alle eint ein Gefühl, das in Berlin um sich greift und gegen das es einfach kein Mittel zu geben scheint: Die Angst vor Verdrängung aus ihrer Gegend. Die Angst, ihre Wohnung zu verlieren. Oder im Falle des jungen Mannes: Die Angst davor, dass aus Lärmschutzgründen im Stadtgebiet bald kein Club mehr seine Pforten öffnen darf.

Das mag angesichts der Sorgen der anderen wie ein Luxusproblem klingen, doch es hat mit der gleichen rasanten Veränderung der Stadt zu tun, in deren Zuge wir alle in den vergangenen Jahren ein neues Wort gelernt haben: Gentrifizierung. Hochtrabend ausgedrückt bedeutet sie den sozioökonomischen Strukturwandel großstädtischer Gegend. Im Klartext kann man es so beschreiben: Die Gutverdiener kommen, die Alteingesessenen, die weniger Geld haben, können sich ihr Viertel nicht mehr leisten.

Gemeinsam gegen Mieterverdrängung

Damit wollen sich die Berliner nicht abfinden und deshalb wird an diesem Sonnabend zur Großdemo aufgerufen, um gegen Mieterverdrängung und teure Modernisierungen zu protestieren. Denn auch wenn sich der Senat den Wohnungsbau auf die Fahnen geschrieben hat: Es fehlen jedes Jahr mehr Wohnungen, die sich auch Geringverdiener leisten können.

Eine Wohnung aber ist etwas anderes als ein Auto oder eine Urlaubsreise. Auf ein Dach über dem Kopf kann niemand verzichten. Auch wer noch einen Balkon hat, sollte daher nicht oben stehen und gucken, sondern sich in die Demo einreihen. Das nutzt uns allen.