Der Skandal um den Plan des Siemens-Konzerns, auf dem barocken Grundstück des Magnus-Hauses am Kupfergraben eine Hauptstadtrepräsentanz zu errichten, hat eine neue Stufe erreicht. Die wichtigsten Architekten- und Denkmalpflegeverbände Berlins bis hin zum Landesdenkmalrat fordern die Architektenschaft auf, nicht an dem Wettbewerb für dieses Haus teilzunehmen, auch nicht als Juror oder Mitarbeiter. Sie bitten zudem ihre Kollegen, die Nicht-Teilnahme auch öffentlich zu machen.

Gibt es ein öffentliches Interesse an dem Projekt?

So einen Brief gab es im Berliner Bauwesen noch nie. Jeder Architekt, der sich jetzt noch an diesem Wettbewerb beteiligt, muss mit dem sozialen und fachlichen Stigma leben, sich bewusst gegen die historische Substanz der Stadt und ihre raren Schönheiten zu vergehen. Das ist eine schallende Ohrfeige für Siemens, aber auch für den Senat und den Bezirk Mitte. Die behaupten immer noch stur und trotz der Proteste aller, wirklich aller Beamten und Fachleute, es gäbe ein öffentliches Interesse an diesem Projekt. Aber ohne den politischen Einfluss des Großkonzerns und Klaus Wowereits wäre es niemals genehmigt worden.

Eine Schande

Die Architekten- und Planerverbände haben jetzt endgültig klar gemacht: Dieses Projekt ist auch aus ihrer Sicht eine Schande, an der das netteste Design nichts ändern wird. Manche Sachen tut man nicht.