Der Streit um das Berliner Neutralitätsgesetz entzündet sich fast immer an der Frage, ob muslimische Frauen im öffentlichen Dienst das Kopftuch tragen dürfen. Ganz besonders geht es dabei um kopftuchtragende Lehrerinnen, also um eine Berufsgruppe, die Kindern und Jugendlichen ein besonderes Vorbild sein sollte. Nun fordern die Berufsschulen, dass das Neutralitätsgesetz auch für sie gelten sollte.

Die Debatte hat stets eine gewisse Schlagseite. Während viele Berliner Muslime, so scheint es, zuletzt eher mehr Wert auf religiöse Bekenntnisse und Dogmen legen, herrscht ansonsten meist eine gewisse religiöse Libertinage oder gar eine bewusst zur Schau gestellte Ablehnung alles Religiösen in der Stadt vor.

Muslime im Zentrum der Debatte

Diese religiöse Asymetrie erschwert die Diskussion, weil die Standpunkte so unterschiedliche sind. Dabei sind ja neben dem Kopftuch auch andere religiöse und auch weltanschauliche Symbole für Lehrer oder Polizisten verboten. Das wird oft vergessen. Meist stehen Berliner Muslime im Zentrum der Debatte.

Und wer sich an Berliner Schulen umhört, der erfährt tatsächlich von hochproblematischen Fällen. Nicht selten werden leider Kinder und Jugendliche von den Eltern strikt dazu angehalten, ein Kopftuch zu tragen. Das geht einher mit teils rigiden Vorschriften. Und nicht selten setzen Schülerinnen dann wiederum Mitschülerinnen unter Druck, doch auch ein Kopftuch zu tragen und sich auch sonst an die damit verbundenen Moralvorstellungen zu halten.

Entfaltung wird eingeschränkt

Da werden noch 18-jährige Mädchen von Gleichaltrigen angegangen, weil sie mit der Erlaubnis ihrer Eltern eine Party veranstaltet und dort auch ein wenig Bier und Wein angeboten haben. Das sei nicht „haram“, heißt es dann. Also vom Islam nicht erlaubt.

Da werden also heranwachsende Frauen über Gebühr gegängelt und daran gehindert, sich selbst zu entfalten. Wenn dann eine Lehrerin mit Kopftuch jene Klasse unterrichtet, könnten das jene Heranwachsenden erst recht als religiös motivierte Einflussnahme verstehen. Das muss nicht so sein, es kommt immer auf den Einzelfall und auf pädagogisches Geschick an.

Solange solcherlei Berichte aus dem Schulalltag nicht abreißen, spricht jedenfalls vieles für die Anwendung des Neutralitätsgesetzes in seiner jetzigen Form.