Die Richtung stimmt: Es ist wichtig, über Prostitution zu reden. Über Freier, die in Flatrate-Bordellen Frauen bestellen wie Schnaps an einer Theke. Über Männer, die einen Zwanziger drauflegen, damit ihre Gespielin nicht auf ein Kondom besteht. Über Menschenhändler, die Frauen verschleppen und zur Sexarbeit zwingen. Über Minderjährige, die ihren Körper verkaufen, um sich Drogen zu finanzieren. Über Männer, die diese jungen Prostituierten kaufen. Es ist wichtig, all das zum Thema zu machen. Es ist wichtig, dagegen zu kämpfen.

Das neue Prostituiertenschutzgesetz, das am heutigen Sonnabend in Kraft tritt, ist daher erst einmal zu begrüßen. Die Paragrafen zu Bordellen und Freiern erfüllen durchaus ihren Zweck. Die Kondompflicht gibt Frauen ein Argument an die Hand, den Wunsch nach ungeschütztem Verkehr abzuschlagen. Notrufknöpfe und Pausenräume in Bordellen verbessern ihre Situation. Das Flatrate-Sex-Verbot erspart ihnen zumindest in diesem Punkt eine menschenunwürdige Behandlung.

Manchen erschwert das Gesetz den Zugang zu Hilfsangeboten

Die Schwachstelle des Gesetzes sind allerdings die Vorschriften für Prostituierte. Die Anmeldepflicht, das zentrale Element der Regeln, verfehlt ihr Ziel. Statt Kontakt mit den Sexarbeitern herzustellen, um Opfer von Ausbeutung und Zwang zu identifizieren, bewirkt sie das Gegenteil: Sie drängt Prostituierte in eine Unsichtbarkeit, die gefährlich für sie ist.

Jenen, die sich nicht anmelden wollen oder können, erschwert das Gesetz den Zugang zu Hilfsangeboten. Sie sind gezwungen, eher im Verborgenen zu arbeiten, in Randgebieten oder Parks, wo Streetworker sie schlechter erreichen. Statt einer Anmeldepflicht für Prostituierte sollten Beratungsstellen und Ausstiegsprojekte, die personell und finanziell oft am Limit arbeiten, besser unterstützt werden.

Sie sind es schließlich, die am nächsten an den Sexarbeitern dran sind – und einen besseren Zugang haben, als ihn jeder Amtsmitarbeiter in einer halben Stunde Gespräch aufbauen kann.