Berlin - Die Situation ist Alltag in Berlin: Ein Bus überholt einen Radfahrer, der auf der Straße oder der Busspur fährt. Zum Glück gelingt dies in den meisten Fällen ohne Probleme. Das jüngst aufgetauchte Video zeigt eine Szene, die leider auch zum Berliner Alltag gehört. Ein Bus überholt und zieht knapp vor dem Radfahrer nach rechts, um noch schnell die Haltestelle zu erreichen. Es wird lebensgefährlich eng. Es kommt niemand zu Schaden, weil der Radfahrer rechtzeitig bremst. Die Szene gibt es nur, weil er mit einer Videokamera auf dem Helm unterwegs ist und seine Fahrt aufzeichnet. 

Wer sich das Video anschaut, fragt sich schon, was den Busfahrer geritten hat. So wie es im Video aussieht, ist er eindeutig für die gefährliche Situation verantwortlich - und hätte sie vermeiden können, indem er kurz das Tempo drosselt und den Radfahrer durchfahren lässt. Er hatte den Radfahrer noch nicht vollständig überholt, ganz im Gegenteil. Der Radler hat sich übrigens in diesem Video dem Augenschein nach straßenverkehrsordnungsgemäß verhalten.  

Der Stärkere hätte nachgeben müssen

Für die Szene ist es auch völlig irrelevant, ob sich Bus- und Radfahrer schon auf den Kilometern davor gegenseitig auf die Nerven gegangen sind oder hinter dem Video-Radler noch ein Pulk weiterer Fahrradfahrer unterwegs waren und der Busfahrer aus Sorge um seinen Fahrplan noch schnell vorher die Haltestelle erreichen wollte.  Der Stärkere (Bus) hätte nachgeben müssen. 

In der Straßenverkehrsordnung ist vor allem geregelt, wie ein Bus überholt werden darf, der sich einer Bushaltestelle nähert. Aber nicht, wen und wie der Bus noch schnell überholen darf, wenn er sich der Haltestelle nähert.

Ist auch gar nicht nötig. In der Situation reichen völlig die ersten beiden Sätze der Straßenverkehrsordnung: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.  Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder, mehr als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird." Die Szene war vermeidbar. Die beiden Sätzen gelten natürlich auch für Radfahrer.