Berlin - Das Interview ist schnell gefunden im Netz: einfach „Nick Greger“ und „Compact“ googeln, der erste Link führt zu einem seltsamen Interview auf Youtube, dessen für Berlin relevante Passagen ab Minute 41:30 beginnen. Was man davon halten soll, ist unklar. Klar ist, dass man dringend wissen möchte, was davon zu halten ist.

Da interviewt ein eher skurriler als seriöser Journalist (das ist bekanntlich eine ungeschützte Berufsbezeichnung) einen eher skurrilen als seriösen Ex-Nazi. Der Journalist Jürgen Elsässer, einst stramm links, heute germanophil und islamophob, befragt den ehemaligen NPD-Kader, Ex-Bombenbauer und inzwischen offenbar der Anti-Islam-Szene zugehörigen Aktivisten Nick Greger nach dessen Tun und Treiben.

Irgendwann erzählt dieser wortreich von zwei LKA-Beamten aus Berlin, die ihn – früher verstrickt in die mit V-Leuten gespickte rechte Szene im Osten – bei einem Besuch im Oktober angeblich davon abhalten wollten, im NSU-Untersuchungsausschuss auszusagen. Damit er sich nicht selbst gefährde, denn die rechte Szene habe es auf ihn abgesehen. Dafür habe man auch extra viel in den Akten geschwärzt, die der NSU-Ausschuss aus Berlin angefordert habe.

So weit, so seltsam. Wer sich das Gespräch anschaut, ahnt, dass daran so gut wie gar nichts stimmen muss. Umgekehrt gilt: Wenn es stimmt, dass Berliner LKA-Leute auf einem Thüringen-Trip tatsächlich versucht haben, prophylaktisch die parlamentarische Aufklärung eines demokratiegefährdenden Skandals zu behindern, dann ist dies die bislang schärfste Eskalation im Berliner Part der NSU-Staatsaffäre. Bisher wurden hier Akten verschlampt und vernichtet. Ärgerlich, peinlich, unsäglich war das. Sollten sich aber aktive Vertuschungsversuche belegen lassen, steht Berlins Polizei auf einmal mitten im Sumpf.