Die Warnungen scheinen mit dem Feinstaub-Qualm der Böller zu verfliegen. Man möge Raketen nicht auf Menschen richten und nicht auf Gebäude, mahnte die Feuerwehr. Vor allem solle man keine illegalen Pyros zünden, die wegen ihrer hohen Sprengkraft schwerste Verletzungen verursachen können. Doch auch dieses Silvester zeigte: Die Warnungen blieben meist ungehört.

Wieder zündeten Verrückte die sogenannten Polenböller, die zum Teil Industriesprengstoff enthalten, bei den Zündzeiten unberechenbar sind und schon in der Hand losgehen können. Wieder wurden mehrere Wohnungen durch diese Kleinbomben in Schutt und Asche gelegt. Und wieder gab es Schwerverletzte mit abgetrennten Fingern. In einigen Kiezen war Straßenkampf, als auch legales Feuerwerk kreuz und quer geschossen wurde. 

Feinstaub-Argument und zentrale Abbrennplätze

Hemmungslose Auswüchse von Neukölln bis Marzahn stellte der frühere Berliner Feuerwehrchef Albrecht Broemme kürzlich in dieser Zeitung fest. Schon vor 15 Jahren hatte er gefordert, das Abbrennen von Feuerwerk anders zu organisieren, etwa mit zentralen Abbrennplätzen. Seither passierte nichts, außer dass jetzt vor Silvester breit über ein Böllerverbot diskutiert wurde. Der Einzelhandel und verschiedene Politiker sind dagegen. Und die derzeitige Feuerwehr-Führung setzt lieber auf Information darüber, wie man Böller und Raketen sicher abbrennt.

Die Umweltbelastungen sind beim Straßenkampf in Berlin das kleinere Problem. Aber wenn das Feinstaub-Argument – das bei Rot-Rot-Grün so populär ist, wenn es gegen Autos geht – ein Weg wäre, das Knallzeug zumindest innerhalb des S-Bahn-Ringes zu verbieten – warum nicht?