Das wäre ja auch was gewesen: Die CDU lehnt den Koalitionsvertrag ab und erspart der SPD damit die Entscheidung. So ist es natürlich nicht gekommen, auch wenn manche in der CDU zwischendurch so geklungen haben. Schließlich waren da nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen vor drei Wochen in der CDU nicht nur Begeisterung, nicht nur tiefe Seufzer, sondern zum Teil auch richtiges Entsetzen.

Die Partei sei zu zaghaft gewesen in den Koalitionsverhandlungen, habe sich erpressen lassen, sei nicht mehr erkennbar, hieß es. Angela Merkel habe die CDU verraten. Der Wirtschaftsflügel sah das Ende der CDU als Volkspartei gekommen. Und jetzt: Das war nur ein Weckruf, erklärt der Wirtschaftsflügel und findet nun doch auch Gutes im Koalitionsvertrag. Und der Parteitag stimmt zu, mit großer Mehrheit. 27 Nein-Stimmen bei 1000 Delegierten – das ist alles andere als ein Aufstand. Die Revolution gegen den Koalitionsvertrag ist genauso ausgefallen wie die gegen die Kanzlerin. Es mag sein, dass eine geheime Abstimmung die Gewichte etwas verschoben hätte, aber sicherlich nicht dramatisch.

Unmut wird zu positiver Energie

So bleibt alles wie es war: Die CDU bleibt eine staatstragende Partei, die im Zweifel eben doch Kompromisse macht. Und Angela Merkel hat es geschafft, mit zwei Personalentscheidungen – einer überraschenden Generalsekretärin und einem weniger überraschenden Minister –, die Partei wieder zu einen. Ihre Kritiker in der CDU müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie den Lärm der vergangenen Wochen vor allem deswegen veranstaltet haben, um einen der ihren zu befördern.

Etwas ist aber doch neu: Die Erschöpfung der Partei nach zwölf Jahren Regierung, die Enttäuschung nach dem schlechten Bundestagswahlergebnis des vergangen Jahres ist einem neuen Schwung gewichen. Den hat nicht der Koalitionsvertrag ausgelöst, sondern die neue CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie hat es geschickt verstanden, Unmut in positive Energie zu verwandeln. Zwar ist der Streit um den Kurs der Partei nicht ausgestanden, aber wäre die CDU die SPD, würde man nun sagen: Der AKK-Zug rollt. Doch nicht einmal dieses Bild wird die CDU der SPD wohl abnehmen. Denn das mit den Zügen kann bekanntlich auch schlecht ausgehen.