Der Platz vor dem Humboldt-Forum in Mitte soll nach Nelson Mandela benannt werden. Das hat die Stiftung Zukunft Berlin so vorgeschlagen. Und alle sind begeistert. Wie merkwürdig.

Den Platz nach Nelson Mandela zu benennen wäre eine Geste, die gleichzeitig zu klein und zu groß ist, die weder der historischen Bedeutung des Platzes noch dem ersten schwarzen Präsidenten von Südafrika gerecht wird. Der afrikanische Freiheitskämpfer, der 27 Jahre im Gefängnis saß und ein Preußenschloss, kitschiger geht’s nicht.

Mandela ist erst seit wenigen Tagen verstorben, die vergangenen Tage waren vom Rummel um die Beerdigung geprägt. Dort wurde das bewegende Leben von Mandela gefeiert, seine Errungenschaften in Superlativen gepriesen, da darf Berlin natürlich nicht fehlen und drängelt sich noch schnell mit aufs Bild. Wie eine entfernte Tante, die sich wichtig macht, die auch im Glanze des großen „Madiba“ erstrahlen will. Was soll das, diesem Hype hinterherzurennen?

Auf den ersten Blick liest sich die Begründung der Stiftung dürftig. Das Humboldt-Forum, in dem Sammlungen aus Afrika und Asien zu sehen sein werden, stehe wie Mandela für die Verbindung der Kulturen der Welt. So kann man den Mut eines Mannes, der sein Leben lang für Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen kämpfte, auch zu einer Banalität zusammenschnurren.

Mit diesem Argument der Verbindung der Kulturen könnte man den Platz auch Königin-Elisabeth-Platz nennen, nach der britischen Queen, deren Familie deutsche Wurzeln hat. Der pompöse Name würde zu dem Märchenschloss passen, dass die Bundesregierung hier bauen lässt. Wenn sich schon kein anderer aus der Berliner Geschichte finden lässt, den man dort ehren könnte.