Berlin - Während das Gerippe des künftigen Schlosses schon bis zum dritten Stockwerk hochbetoniert ist, denkt Berlin über einen Rückzug aus dem angeblich bedeutendsten Kulturprojekt dieser Dekade nach. Schon seit längerem wird bezweifelt, ob die Zentral- und Landesbibliothek mit ihrem im Humboldt-Forum geplanten Edutainment-Vorhaben „Die Welt der Sprachen“ wirklich Entscheidendes zum Gelingen des Gesamtprojektes beitragen könnte. Das Gesamtprojekt besteht bekanntlich darin, die ethnographischen Sammlungen, aus den Dahlemer Museen zur Grundlage einer gegenwartsbezogenen Auseinandersetzung zwischen den Kulturen der Welt zu machen. Ein großes Ziel, das komplizierter ist als der Schlossbau selbst.

Wenn jetzt fünf Jahre vor der geplanten Eröffnung noch immer Unklarheiten über die Zusammensetzung der künftigen Kooperationspartner herrschen, dann ist mehr als Kopfschütteln angesagt. Der Bau rast dem Richtfest entgegen, die inhaltliche Planung entspricht offensichtlich nicht mal dem Stand der Spendensammlung.

Für ein Nachdenken über den Ostflügel war wegen des raschen Baufortschritts angeblich keine Zeit mehr. Jetzt zeigt sich, dass man überall mehr Zeit brauchen würde. Die Finanzierung der Fassaden ist nicht gesichert, die inhaltliche Konzeption unklar, der Intendant noch nicht gefunden – der Beton gießt sich diesmal einfach zu schnell.