In Mitte gab es einen schrecklichen Unfall. Ein Porsche Macan raste in eine Menschengruppe auf dem Gehweg. Zwei Männer, eine Frau und ein Kind starben.

Schon wenige Stunden nach dem Unfall meldeten sich Interessenverbände zu Wort, die zwar alle vorgaben, mit den Opfern und ihren Angehörigen zu fühlen aber gleichzeitig ihre Forderungen artikulierten, etwa nach Tempo 30 in der gesamten Innenstadt.

Der Fußgänger-Lobbyverein Fuss e.V., rief zur Mahnwache, um „gegen die Straßengewalt“ zu protestieren. Changing Cities, ein Fahrrad-Lobbyverein, nahm den Unfall mit den vier Toten zum Anlass, auf „Klimavergiftung & Luftverpestung“ hinzuweisen. Stephan von Dassel, Grünen-Bürgermeister von Mitte kritisierte, dass „panzerähnliche Autos“ nicht in die Stadt gehörten.

Zweckdienlich war der Tod der vier Menschen auch der Deutschen Umwelthilfe, die twitterte: „Stadt-Geländewagen töten nicht nur in Berlin!“ Um bei der Gelegenheit gleich noch den Hinweis anzubringen, dass ein Porsche der schlimmste Klimakiller sei.

Selbstverständlich muss man über Verkehrspolitik debattieren

Dieses Vorgehen ist zynisch und pietätlos. Als die Verbände und der Grünen-Politiker ihre Forderungen vorbrachten, waren die Toten noch nicht obduziert, die Unfallursache durch die Polizei noch ungeklärt. Die Behörden haben Hinweise darauf, dass der Fahrer, der mit seiner Tochter und seiner Schwiegermutter unterwegs war, möglicherweise ein medizinisches Problem hatte. Kann man das als „Straßengewalt“ bezeichnen?

Sicher ist eine Diskussion über Tempobegrenzung in der Innenstadt notwendig. Auch darüber, wie eine moderne Verkehrspolitik Fußgänger und Radfahrer schützt. Und selbstverständlich kann man über die Sinnhaftigkeit von SUVs im allgemeinen und in der Stadt im besonderen berechtigt debattieren.

Aber wenn ein Dreijähriger, dessen Oma und zwei Männer ums Leben gekommen sind, bietet es sich an, wenigstens kurz inne zu halten und einen tödlichen Unfall nicht unmittelbar für die eigene Politik zu instrumentalisieren.

Einer der Wenigen, die sich übrigens taktvoll verhielten, war Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Der sprach von einem schrecklichen Unfall und davon, dass seine Gedanken „bei den Opfern, ihren Angehörigen und Freunden“ seien. Das war angemessen.