Wenn es ein Leiden gibt, das den Grünen am ehesten entspricht, dann: die Bauchschmerzen. Grüne haben häufig Bauchschmerzen, und zwar stets, wenn sie sich entscheiden müssen, ohne alles selbst bestimmen zu können. In Regierungen kommt das sehr oft vor, daher leiden die Grünen darunter besonders. Am Ende entscheiden sie sich aber doch.

Es müssen nicht immer gleich Bomben auf Serben sein, wie 1999. Manchmal reicht schon ein auszubaggernder Fluss wie in Hamburg. Ein Bahnhofsprojekt wie in Stuttgart. Oder ein freies Feld wie in Tempelhof.

In Berlin sind die Grünen nicht an der Regierung und haben trotzdem dolle Bauchschmerzen. Denn beim Volksentscheid am 25. Mai stehen nur das von der Bürgerinitiative geforderte Bauverbot und die von Rot-Schwarz geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes zur Auswahl. Die Berliner können jeweils Ja oder Nein sagen. Die Grünen empfehlen ein Nein zum Senat und ein Ja zur Initiative – obwohl sie die Nullbebauung gar nicht wollen. Das Argument: Lieber erst einmal gar nichts bauen als das Falsche.

Man kann sich so entscheiden angesichts einer schlechten Alternative. Aber ganz sauber kommen die Grünen (kaum anders geht es übrigens den Linken) aus dieser Sache nicht heraus. Sie zeigen ein instrumentelles Verhältnis zum Bürgerwillen. Die Grünen lassen gegebenenfalls etwas Gesetz werden, das sie am liebsten sofort wieder ändern würden – und zwar nicht nur ein bisschen. Konsequent wäre nur ein doppeltes Nein. Aber dann ließe sich der Volksentscheid schlechter für die eigenen Zwecke vermarkten.

Merke: Wenn es unterm Strich nützt, verleugnen sich die Grünen schon mal selbst. Natürlich nur mit Bauchschmerzen. Ihr Lieblingsergebnis ist daher, dass beide Vorschläge scheitern. Der des Senats aber noch viel deutlicher.