Dieses Urteil wird in Deutschland Rechtsgeschichte schreiben. Zum ersten Mal hat ein Gericht in Deutschland zwei Raser, die den Tod eines Menschen zu verantworten haben, wegen Mordes verurteilt. Die 35. Große Strafkammer des Landgerichtes Berlin hat über die beiden Angeklagten im sogenannten Raser-Prozess lebenslange Freiheitsstrafen verhängt. Denn das Opfer der beiden 25- und 28-jährigen Angeklagten war ein unbeteiligter Verkehrsteilnehmer, der ihrem illegalen Privatrennen auf dem Kurfürstendamm schlicht im Weg war. Die Mordwaffe war ein Audi A6.

Aber war es wirklich Mord?

Die Hinterbliebenen und viele, denen das rücksichtslose Gebaren der Autoraser schon lange Angst macht, werden das harte Urteil mit Genugtuung aufnehmen. Die Richter sind darin ganz offensichtlich der Argumentation der Staatsanwaltschaft gefolgt, die davon ausging, dass bei Geschwindigkeiten von 140 bis 170 km/h niemand mehr fähig ist, auf andere Verkehrsteilnehmer zu reagieren. Dass ein Unbeteiligter zu Schaden kommt, hätten die beiden Raser also billigend in Kauf genommen.

Tatsache ist, dass die beiden Männer auf andere Verkehrsteilnehmer nur verächtlich herabgeblickt haben. Wer über 13 Kreuzungen rast, ohne auf den Verkehr zu achten, zahlreiche rote Ampel überfährt und dann schließlich in den Wagen eines Unbeteiligten kracht, kann nichts anderes sein als ein rücksichtloser Egomane. Ein Mörder ist er deshalb noch nicht. Denn keiner der beiden ist – nach bisherige Sachlage - mit dem vorsätzlichen Wunsch losgefahren, andere Menschen totzufahren. Dass Unbeteiligte zu Schaden kommen, haben sie einkalkuliert, vermutlich dachten sie ihrer Arroganz, dass schon alles gut gehen wird.

Strafe ja, aber nicht lebenslang

Die beiden Angeklagten sind also zynische testosterongesteuerte Arschlöcher. Übersetzt in ein Delikt der deutschen Strafprozessordnung haben sie sich aber „nur“ der gefährlichen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht. Auch dafür muss man ins Gefängnis, aber eben nicht lebenslang.

In der Politik gibt es jetzt Bestrebungen, die Gesetzeslage zu verschärfen. Kommt ein Mensch bei illegalen Autorennen zu Tode, soll die Gefängnisstrafe künftig bis zu zehn Jahre betragen können. Kenner der Szene sagen, dass auch das keine illegalen Autorennen verhindern wird. Das Problem muss also anders gelöst werden.