Berlin - Liebe Linksextremisten,

fast jede Nacht ertragen wir Euch. Wir rechnen damit, dass unser Auto abgefackelt wird, machen uns darauf gefasst, dass jemand unser Haus mit Parolen beschmiert, und neuerdings müssen wir Bürger dieser Stadt auch befürchten, dass ein Stein durchs Fenster saust und uns beim Musikantenstadt-Gucken trifft, wenn wir gerade auf dem Sofa sitzen – nur weil wir in die falsche Gegend gezogen sind. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis jemand stirbt, wenn wieder einmal Flammen auf ein Haus übergreifen – von einem der Autos, die Ihr angezündet habt, so wie es in der Nacht zum Donnerstag passierte.

Furcht zu verbreiten ist Eure Absicht. Und wir (die wir in Euren Augen Spießer sind) freuen uns tatsächlich schon, wenn wir es pünktlich zur Arbeit geschafft haben und nicht auf der Strecke blieben, weil einige von Euch beschlossen haben, die Kette der kapitalistischen Verwertungslogik zu unterbrechen.

Dies gelang Euch im August, als Ihr ein Signalkabel der S-Bahn flambiert und den Bahnverkehr gestört habt. In dieser Woche habt Ihr erreicht, dass einige „besserverdienende“ Familien in Mitte über Auszug nachdenken und ein Ladenbesitzer vor dem Ruin steht. Wieder und wieder habt Ihr deren Haus mit Steinen beworfen, weil es neu gebaut ist und Euch nicht passt.

Ihr nehmt für Euch in Anspruch, im Namen der von Verdrängung bedrohten Mittellosen zu handeln. Das sind Ausreden für Eure Zerstörungswut, die Ihr wohl im Sandkasten nicht ausleben durftet. Die Verdrängung Armer und das soziale Elend der Stadt sind ernste Themen für die es politischen Drucks bedarf. Euch linksextremistische Kiez-Talibane, die bestimmen wollen, wer wo nicht leben darf, braucht man dagegen nicht. Aber zum Glück seid Ihr ja nicht sehr viele.