Gottseidank ist Ostern endlich vorüber, man war der seit Ende Januar verkauften Krokant-Ostereier und der lila Schokohasen schon im Februar überdrüssig. Erlöst ist die Stadt jetzt auch vom sogenannten Autofasten, dem von Umweltbundesamt, Kirchen und Grünen seit Aschermittwoch propagierten  Verzicht auf motorisierte individuelle Fortbewegung.

Die Idee an sich ist edel und gut, legt dem Autofastenden, der auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigt, aber ein Höchstmaß an Selbstkasteiung auf. Denn es ist hart, wochenlang von gepolsterten und beheizten Autositzen auf die kalte  Hartplastikbestuhlung in BVG-Bussen oder der U9 zu wechseln. Es ist ungesund, aus dem angenehm luftgefilterten und klimatisierten Automobil in die Bahn zu wechseln, wo öliges Pommesaroma, Grippeviren und der Geruch nasser Wolljacken Sinne und Schleimhäute attackieren. Es zermürbt die Nerven des Fastenden, alle drei S-Bahnstationen das mäßig begabte, aber elektrisch verstärkte Geplärr von Musikanten-Überfallkommandos in den Ohren zu haben. Im Auto hingegen herrscht auf Knopfdruck das eigene Wunschkonzert – oder Ruhe.

Kurzum: Hochachtung den Brüdern und Schwestern des Herrn (welchem auch immer), die all diese Entbehrungen auf sich genommen haben. Und doch die herzliche Bitte, aufs Autofasten in Berlin bis auf Weiteres zu verzichten. Denn diese Art des Fastens ist zutiefst unsozial, weil es auf Kosten unzähliger ÖPNV-Nutzer geht, die sich rund ums Jahr in proppenvolle Bahnen und Busse quetschen müssen und gut auf weitere Mitreisende verzichten können. Ausgerechnet im Winter, wenn bereits sämtliche Schönwetterradler ebenfalls auf den ÖPNV umgestiegen sind.
Die Autofahrer, die lediglich zwei Verkehrssysteme (Straßen zum Fahren und Bürgersteige zum Zuparken und für den Fußweg zum Auto) benötigen, sollten unbedingt Abstand davon nehmen, der anspruchsvollen Radlerklientel nachzueifern. Denn die erhebt Anspruch auf drei Verkehrssysteme: üppig breite Radwege zum Schnellradfahren, Bürgersteige zum Gehen und Schnellradfahren sowie als Backup ein komplettes ÖPNV-Netz für den Fall, dass es kalt ist, regnet oder der Wind von vorn kommt.

Ö wie Ölsardine

Das ist in Berlin und Umland, wo es derzeit schauert und hagelt, bis auf drei Monate Sommer meist durchgehend der Fall. Unter dem Pflaster, weiß man in der alternativ geprägten Berliner Radszene, liegt der Strand, aber oberhalb des Pflasters ist in Berlin eben meist kein Strandwetter, sondern Winter.
Deshalb, verehrte Autofastende: Kehret um! Tut Buße vor Ostern woanders! Entsagt dem Essen, dem Saufen,  dem Fußballgucken oder,  für die ganz Harten, sieben Wochen lang dem Smartphone. Aber verschont  uns ÖPNV-Nutzer (Das Ö steht für die ölsardinenbüchsenähnliche Packungsdichte in den Waggons im Berufsverkehr).

Diese Bitte ist zunächst bis 2030 befristet, bis dahin dürften die jetzige BVG-Museums-U-Bahn und die gebrechliche S-Bahn  durch neue Züge ersetzt, die anfälligen Weichen gehärtet, die Regionalbahnzüge ins Umland sowie deren  Bahnsteige verlängert worden sein. Angesichts einschlägiger Berliner Erfahrungen erfolgt hier eine Korrektur: Bitte bis 2040 aufs Autofasten verzichten!