Ein Blick auf die Straße genügt.  Seitdem sich der Frühling endlich durchgesetzt hat, sind wieder wahre Heerscharen von Fahrradfahrern auf Berlins Gehwegen unterwegs.

Zu eng, zu klein, zu wenig

Die Radwege, falls es sie gibt, sind  längst zu klein für die Volksbewegung auf zwei Rädern, die Fußgänger haben nicht selten das Nachsehen. Wobei die Radler nicht ganz so viele sind, wie man zu glauben meint. Sie  machen nur 16 Prozent des Verkehrs in der Stadt aus, hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung ergeben. Aha, Rot-Rot-Grün betreibt also doch eine dreiste Bevorzugungspolitik für die eigenen Anhänger? Von wegen: Mehr als die Hälfte der Berliner sind der Meinung, dass für Radfahrer in dieser Stadt mehr getan werden müsse. Der angekündigte Ausbau Berlins zur Fahrradstadt wird also von der Mehrheit der Bürger befürwortet.

Viele trauen sich nicht

Das kann nur eines bedeuten: Es würden viel mehr aufs Fahrrad umsteigen, wenn man sich nur sicherer fühlen würde. Oder umgekehrt: Die meisten fühlen sich noch viel zu unsicher, um das Fahrrad – über gelegentliches Sonntagsradeln hinaus – als tägliches Verkehrsmittel in Betracht zu ziehen. Ist ja auch kein Wunder. Zwar gibt es viel mehr Radwege als früher, aber von einem flächendeckenden Netz träumen die Radler vergebens. Wer aber nach ein paar Kilometern  wieder runter auf die Straße muss, überlegt sich zweimal, ob er im Berufsverkehr mithalten kann oder will. Soll sich das verbessern, müssen dem  Autoverkehr zumindest in der Innenstadt noch einige Radwege mehr abgetrotzt werden.

Radler sind nicht immer die besseren Menschen

Ein nicht geringes Problem sind dabei übrigens die Radfahrer selbst. Sie sind laut der aktuellen Forsa-Umfrage Nummer Eins unter den als  rücksichtlos wahrgenommenen Verkehrsteilnehmern. Noch vor den Autofahrern! Schmale Radwege, hohe Bürgersteigkanten, tosender Autoverkehr in der Innenstadt und am Hinterrad klebt ein Kampfradler, der unbedingt vorbei will – man kann sich vorstellen, dass es da einer gewissen Überwindung bedarf, selbst in die Pedale zu treten.  Jenseits aller politischen Bemühungen um Radschnellwege und die Entzerrung von Auto- und Fahrradverkehr können die Radler selbst etwas sehr wichtiges zur Fahrradstadt Berlin beitragen: Seid nett zu uns unsicheren Neuradler!