Car is Over, die Ära des Autos ist vorbei! Mit diesem Motto ziehen Menschen, die mit der bisherigen Verkehrspolitik nicht einverstanden sind, durchs Land. Sie sehen Radwege in Innenstädten, die so voll sind, dass es vor Ampeln Staus gibt. Sie freuen sich, dass viele Tausend Gleichgesinnte kommen, wenn sie zu Demos aufrufen. Car is Over! Es ist ein Motto, das triumphierend wirkt. Als wäre längst allen klar: Die Zukunft des Stadtverkehrs ruht auf zwei Rädern (und festen Sohlen, wenn auch mal an Fußgänger gedacht wird).

Doch jüngste Daten zeigen, dass die Ära des Autos nicht vorbei ist. Im Gegenteil: Die Zahl der Pkw in Berlin ist erneut gestiegen, die Zahl der Neuzulassungen ebenfalls. Mehr als eine Fußnote ist die Feststellung, dass Elektroautos in Berlin (2007 an der Zahl) mit einem Anteil von 0,167 Prozent weiterhin eine Randgruppe sind. Umweltfreundlicher, stadtverträglicher Verkehr sieht anders aus.

Ein Auto aus Bequemlichkeit

Sicher, es gibt auch positive Trends. Wer die Entwicklung der Einwohnerzahl einrechnet, wird feststellen, dass die Zahl der Autos pro tausend Einwohner in Berlin gesunken ist. Trotzdem stellt die Statistik Politik und Verwaltung ein schlechtes Zeugnis aus. Sowohl das Radverkehrsnetz als auch der Nahverkehr haben nicht immer die Qualität, die das Umsteigen erleichtert. Zur Wahrheit gehört aber auch:

Egal, wie gut andere Angebote sind, auch in Berlin wird es künftig viele Menschen geben, die sich für das Auto entscheiden – weil sie damit ohne Umsteigen und Treppensteigen ans Ziel kommen, weil sie keine Lust auf Tuchfühlung mit anderen Menschen haben, weil in Berlin meist problemlos Auto gefahren werden kann. In einer Demokratie muss die Verwaltung auch diese Motive berücksichtigen.