Berlin - Es ist erschreckend. Eine Moschee verlangt Wachschutz. So wie Polizisten seit Jahren jüdische Einrichtungen bewachen und vor Neuköllner Schulen ein privater Wachschutz für mehr Sicherheit sorgt, fordert nun auch der Vorstand der Sehitlik-Gemeinde in Neukölln, dass vor der Moschee ein Wachschutz postiert wird.

Das Schutzbedürfnis ist verständlich. Mehrfach haben Unbekannte das islamische Gebetshaus am Columbiadamm angegriffen und verunglimpft. Mehrfach schon flogen Farbbeutel gegen Wände und Mauern. Es gab islamfeindliche Drohbriefe an die Vorstände. Und nun der jüngste Fall, abgetrennte Schweineköpfe, die am Eingang in einer Blutlache lagen. Noch weiß niemand, was Menschen zu solchen Taten treibt: Politischer Hass oder psychische Verwirrtheit. Das Ergebnis ist jedenfalls dasselbe. Die Gläubigen am Columbiadamm reagieren verunsichert angesichts der Attacken.

Die Sehitlik-Gemeinde ist bekannt für ihre Transparenz und integrative Arbeit, ihre Moschee ist ein offenes Haus, die Minarette sind weithin zu sehen. Die Jugendlichen der Gemeinde besuchen wöchentliche Gesprächsrunden über den Islam, Mitarbeiter führen Besucher durch das Haus, Politiker kommen, es herrscht eine gastfreundliche Atmosphäre. Es wird miteinander geredet. Das ist vorbildlich und verbessert das Zusammenleben. Diese Offenheit ist nötig. Damit steht die Moschee aber auch wie kaum eine andere im Fokus. Das zieht nicht nur tolerante Besucher an, sondern auch radikale Gegner.

Wer sich öffnet, macht sich angreifbar. Dieser Satz trifft im Privaten ebenso zu wie im politischen Geschehen. Letzteres erlebt gerade die Sehitlik-Gemeinde. Ein Wachschutz verspricht Sicherheit. Islamfeindliche Drohbriefe kann er aber nicht verhindern.