Wer bei Google den Suchbegriff „Frau“ eingibt, erhält gleich nach dem Hinweis auf den Duden den Namen „Frauke Petry“, dann „Frauen Witze“ (Was ist die Steigerung von Rinderwahn? Frauenpower!). Darunter geht es um „Bauer sucht Frau“ und dann kommt die Geschichte des polnischen Politikers, sein Name tut hier wirklich nichts zur Sache, der jüngst im EU-Parlament erklärte, dass Frauen weniger verdienen müssen, da sie kleiner, schwächer und weniger intelligent seien. Das ist also die erste Ausbeute, wenn man online den Begriff „Frau“ klären möchte. Natürlich ist das nur eine Momentaufnahme, doch sie zeigt die Tendenz: Es läuft gerade nicht so toll für die Frauen.

Vor einem Jahr war eigentlich klar, dass Hillary Clinton die erste Präsidentin der USA werden wird. Auch jene, die nicht zu ihren Anhängerinnen zählten, hatten den Eindruck, dass sie an der Reihe ist. Googelt man nun ihren Namen, kommt recht weit oben der Hinweis auf den Film „American Horror Story“, aber das nur am Rande. Weltpolitisch sind jetzt die Alphamännchen am Zug. Trump. Putin. Erdogan. Orban. Die Reihe ließe sich fortsetzen.

Genderbäuerchen in Berlin

Landespolitisch bekamen wir im September eine rot-rot-grüne Koalition, und mit ihr das Gender-Bäuerchen. Das ist die kleine Pause in Wörtern wie Bürger*innen oder auch Herrwirfhirnvomhimmmelwünscher*innen. Mit dieser kleinen Pause spricht man das Sternchen quasi mit und weil man das mitspricht, meint man nicht nur Männer und Frauen, sondern auch lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen. Sie alle müssen in jedem Satz speziell mit angesprochen werden. Andernfalls: böse Diskriminierung. Einige Bezirke nehmen das mit dem Sternchen sogar so ernst, dass in den Bezirksverordnetenversammlungen bald nur noch Anträge entgegengenommen werden sollen, die diese Schreibweise pflegen.

Es scheint ein Trend zu sein, dass die Anliegen von Frauen allein nicht wichtig genug sind, um eine gute Sache zu begründen. So erklärte die Feministin Anne Wizorek in einem Interview mit der taz ihr neu gegründetes feministisches Netzwerk. Sie war Mitinitiatorin der Twitter-Kampagne #Aufschrei. Darin setzten sich Frauen gegen Sexismus zur Wehr, was in der gesamten Republik wochenlang für Aufsehen sorgte. Das liegt nun auch schon wieder ein paar Jahre zurück. Mit dem feministischen Netzwerk aber sollen nun auch Themen des Umweltschutzes und die Anliegen behinderter Menschen und rassistisch Verfolgter vertreten werden. Nach dem Motto: Frauen geht es nur gut, wenn es den anderen auch gut geht.

Die Fehler der Mütter

Ein bisschen ist das wie früher in der Familie, wenn Mama immer erst an alle anderen gedacht hat und an sich selbst zuletzt. Das Ergebnis war klar: Auch alle anderen haben an sie zuletzt gedacht. Es hat eine gewisse Ironie, dass wir die Fehler unserer Mütter zu wiederholen scheinen. Und deshalb werden wir wieder mit einem billigen Blumenstrauß abgefertigt.

Beispiel gefällig? Im Bundestag wird Ende März ein Gesetz verabschiedet, das Frauen helfen soll, ihren Rechtsanspruch auf gleiche Bezahlung im Vergleich zu den Männern durchzusetzen. Merkwürdigerweise verdienen Frauen auch im 21. Jahrhundert immer noch weniger als Männer, nicht selten sogar, wenn sie die gleiche Arbeit machen. Woraus sich dann der ganze andere Schlamassel ergibt: Frauen bleiben bei den Kindern zu Hause, arbeiten höchstens noch in Teilzeit und wundern sich spätestens bei der Scheidung, dass sie finanziell auch hier den Kürzeren ziehen.

Nun soll ein neues Gesetz Frauen die Möglichkeit geben, gegen Diskriminierung bei der Bezahlung anzugehen. Leider wurde die gute Idee so lange überarbeitet, bis klar war, dass auch künftig kaum eine Frau es wagen wird, vor Gericht zu gehen. Die Firmen aber bekommen die Möglichkeit, sich nach ihrem eigenen Gusto als Hort der Gleichberechtigung darzustellen. Und so wird das Gesetz eher schaden als nutzen. Eine billige Mogelpackung also.

Frauen sind keine Randgruppe

Deshalb noch mal zur Selbstvergewisserung: In unserer Gesellschaft sind die Katholiken eine gesellschaftliche Gruppe, die Schwulen, die Lesben, die Muslime mit deutschem oder dem Doppelpass – die Frauen aber sind die Hälfte der Bevölkerung. Das klingt irgendwie altmodisch, ist aber die reine Wahrheit. Mehr noch: Die Frauen müssen nicht mal die bessere Hälfte der Menschheit sein, um Gerechtigkeit zu verdienen. Sie müssen sie allerdings einfordern. Und daher sollten wir ganz ungeniert mal an uns selbst als erstes denken, erst dann an alle anderen. Ich schlage vor, als erstes zertreten wir das Gender-Sternchen.