Theoretisch käme ma in Berlin ja prima ohne Auto zurecht – schließlich gibt es Busse, Bahnen und Trams in Hülle und Fülle, mit dem Fahrrad ist man gut und vor allem klimafreundlich unterwegs. Und dann gibt es auch noch an jeder Ecke einen Carsharing-Anbieter.

Dennoch haben viele ein Auto. In Zeiten, wo fast jeder seinen CO2-Fußabdruck im Kopf ausrechnen kann, die Spritpreise unglücklich machen und eine akute Not an Parkplätzen in Berlin besteht. Und was das alles kostet – Versicherung, Steuer, Wartung... Wer tut sich da noch freiwillig ein eigenes Auto an?

Mobilität und Bequemlichkeit

Ich zum Beispiel. Die Gründe dürften viele kennen: Der Job verlangt Mobilität und Pendelei, die Familie lebt weit entfernt. Und wenn man ehrlich ist: Es ist auch ein bisschen Bequemlichkeit im Spiel. Kein Warten auf die verspätete Bahn, Wasser- und Bier-Kästen können bequem transportiert werden, beim Reisen ist man unabhängig und kann die Musik dabei so laut aufdrehen, wie man will.

All diese Annehmlichkeiten vergesse ich schnell wieder, wenn ich nach Feierabend verzweifelt auf der Suche nach einem Parkplatz bin. Drei Runden drehe ich mindestens. Weil andere Autofahrer ihren Wagen nicht platzsparend in die Lücken quetschen wollten, schaut man selber in die Röhre - und kurvt so lange durch die Gegend, bis man im Nachbarbezirk einen freien Platz erwischt.

Blockierte Feuerwehrzufahren

Mein größtes Ärgernis sind Anhänger, die wochenlang die Parkplätze blockieren. Manche stellen ihren fahrbaren Untersatz einfach irgendwo ab, mal auf dem Gehsteig, mal in zweiter Reihe oder in der Feuerwehrzufahrt. Geht’s noch?

Wenn man sich dann gerade in Rage befindet, freut man sich umso mehr, wenn sich andere mit aufregen. Zum Beispiel beim Kurznachrichtendienst Twitter: Unter dem Stichwort #Falschparker werden dort Fotos gepostet, die Behindertenparkplatz-Blockierer und Park-Anarchisten an den Online-Pranger stellen. Da sind natürlich auch die von Falschparkern geplagten Berliner dabei.

Hier werden die Wagen, so zeigen es die gewtitterten Handyfotos, munter auf dem Fahrradstreifen oder in einer Kurve abgestellt, der wuchtige SUV entgegen der Fahrtrichtung einmanövriert, oder die Limousine inmitten einer Tischgruppe platziert. Ach, der Fahrer kommt ja bestimmt gleich wieder.

Die Idee hinter dieser Aktion ist richtig. Falschparker ärgern nicht nur andere Autofahrer, sie sind vor allem eine echte Gefahr. Sie blockieren Rettungswege, schränken Sichtfelder ein und gefährden andere Verkehrsteilnehmer – allen voran Fußgänger und Radfahrer. „Falschparken ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Heinrich Strößenreuther. Er ist Geschäftsführer der in Berlin ansässigen Initiative „Clevere Städte“, die das Portal Wegeheld.org entwickelt haben.

Auf der Seite können durch Falschparker blockierte Straßen und Wege markiert sowie Beweisfotos hochgeladen werden. Mehr als 30.000 Nutzer hat die Seite bereits deutschlandweit. Weit mehr als 1000 Meldungen gibt es für Berlin. Viele davon mit Bild.

Damit die Nutzung den Datenschutzrichtlinien entspricht, müssen die Nummernschilder der Fahrzeuge geschwärzt werden. Ein Sache, die viele Twitter-Nutzer bei der #Falschparker-Aktion allerdings nicht beachten.

Hinweise an Behörden geben

Bei all dem Eifer und der Lust am Aufregen landen so allerhand Bilder im Netz, die unverpixlte Kennzeichen zeigen. Mancher sieht sich da wohl als Hilfspolizist und Aushilfe des Ordnungsamts. Wer seine Beweismittel den Behörden bereitstellen möchte, der kann das auch über nicht-öffentliche Kanäle tun. Dafür haben die Macher von Wegeheld.org bereits eine Übersicht mit den Kontaktdaten zu zahlreichen Ordnungsämtern angelegt.

Eine öffentliche Denunzierung der Falschparker samt Nummernschild muss nicht sein – da reichen auch für sich sprechende anonymisierte Bilder. Die Quittung für schlechte Parkmanieren bekommen Autofahrer schließlich nicht von der Netzgemeinde, sondern von den Mitarbeitern des Ordnungsamts.