Kommentar zur Altglastonne: Nicht ohne meine Tonne!

Berlin - Bewohner der östlichen Stadtbezirke sind völlig zu Recht empört. Denn die Altglastonnen in den Höfen von Häusern und Großsiedlungen sind zum Jahreswechsel entfernt worden. Das geschah ohne größere Vorabinformation oder gar Bürgerbeteiligung.

Das Duale System Deutschland, für die Mülltrennung verantwortlich, und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung haben offenbar gedacht, es werde keiner merken, wenn 8000 Altglastonnen verschwinden. Dabei wird es ein 85-jähriger Rentner schnell in den Knochen spüren, wenn er nun vollbepackt den deutlich längeren Weg zu den zentralen Altglas-Iglus zurücklegen muss.

Immerhin hat man den Berlinern jahrelang gepredigt, ihren Müll vor Ort zu trennen. Jetzt, wo es eingeübt ist, werden die Altglastonnen in den Häusern abgeschafft. Ein solcher Zickzack-Kurs dürfte Bürger dazu verleiten, ihr Altglas einfach in die Hausmüll-Tonnen zu werfen.

Das aber würde die ganze Aktion vollends ad absurdum führen. Denn durch Abschaffung der Altglastonne in Häusern soll angeblich die Qualität des gesammelten Glases verbessert werden. Wie bei der Anhörung im Abgeordnetenhaus am Mittwoch deutlich wurde, führen weniger die „Fehleinwürfe“ zu minderer Glasqualität. Vielmehr sorgen Pressvorgänge im abholenden Altglasrecycling-Auto dafür, dass vermischt wird, was nicht zusammengehört. Das Ganze ist also ein Fall für gute Ingenieure; sie könnten außerdem die herkömmliche Altglastonne mit einer kleinen Öffnung ausstatten, in die nur Glasflaschen passen.

Doch das ist den Managern des Dualen System zu viel Gewese. Angesichts sinkender Glaspreise wollen sie einfach den Berliner Holdienst einsparen. Der Bürger hingegen wird bei jedem Kauf einer Einwegflasche mit Grünem Punkt zur Kasse gebeten. Ein paar Cent gehen stets ans Duale System.